NobbyR
13. März 2010 10:08
Über die denkwürdigen Dinge, die man als Urologe gelegentlich aus der Harnblase oder der Harnröhre von Patienten fischen kann (Kugelschreiber, Telefondrähte, Tannenzweige, Perlenketten, Kaugummi, Bauschaum etc.), wurde bereits in Rahmen dieses Blogs berichtet. Fremdkörper im Harntrakt als Ursache von Erkrankungen sind also nicht ungewöhnlich. Aber der folgende Bericht über einen Patienten mit einer komplizierten Nierenkolik erstaunt selbst erfahrene Fachärzte.
Der Mann stellte als Notfall sich mit kolikartigen Unterbauchschmerzen unter dem Verdacht eines akuten Abdomens vor. Dem untersuchenden Chirurgen gestand er, dass er sich zuvor in autoerotischer Absicht Maden in die Harnröhre eingeführt habe, welch aber nach der Masturbation nicht wie sonst beim Wasserlassen herausgespült worden seien. Also wurde der Urologe hinzu gezogen: Bei der weiterführende Diagnostik kam eine rechtsseitige Harnstauung mit Fornixruptur ohne Konkrementnachweis zur Darstellung, so dass zystoskopisch eine Harnleiterschiene gelegt wurde, wobei sich lediglich ein ödematös geschwollenes Ureterostium zeigte. Im weiteren Verlauf konnte dann nach Entfernung des Double-J-Stents eine etwa 1,3 cm große Made aus der Harnblase geborgen werden. Es muss davon ausgegangen werden, dass das Insekt initial in den Harnleiter gewandert war und so die Nierenkolik verursacht hatte.
Der Fall zeigt einmal mehr: Es gibt in der Medizin nichts, was es nicht gibt!
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NobbyR
10. Februar 2010 15:50
Sowohl aus meiner eigenen Erfahrung aus der Notfallambulanz, als auch aus dem Gespräch mit Kollegen diverser Fachrichtungen scheint es mir in den letzten Jahren einen Trend zu geben, dass Patienten immer weniger geneigt sind, eigenverantwortlich zu handeln und bezüglich ihrer Gesundheit irgendeine selbständige Entscheidung zu treffen. Statt dessen behelligen sie lieber wegen jeder Kleinigkeit den Arzt.
Statistisch gesehen sind die Deutschen europaweit die Meister im Konsultieren von Ärzten: Im Mittel bringen wir es auf 18 Arztbesuche pro Jahr. Die Schweizer dagegen auf vier. Es scheint, dass der Deutsche bei jedem Wehwehchen (banale Erkältung usw.) ärztlichen Beistand sucht, was natürlich auch die Kosten im Geundheitswesen in die Höhe treibt. Gesunden Menschenverstand einzusetzen, bewährte Hausmittel zu nutzen oder sich erst einmal mit frei verkäuflichen Medikamenten aus der Apotheke selbst zu therapieren und den Arzt erst dann aufzusuchen, wenn dies nicht greift, scheint dagegen mega out. Der Besuch beim Hausarzt kann dann wiederum einen Rattenschwanz von Überweisungen zum Facharzt nach sich ziehen, teils um sich abzusichern, aber teils auch auf Wunsch des Patienten, der für den Einsatz seiner € 10,00 Praxisgebühr das maximale geboten bekommen möchte.
Ein typisches Beispiel: Ein 18jähriger Mann stellt sich im Notdienst vor, weil er an akuten Rückenschmerzen leidet. Die Anamnese ergibt, dass er zuvor den Garten seiner Eltern umgegraben hatte, eine für ihn ungewohnte Tätigkeit. Woher mögen wohl die Rückenschmerzen kommen? Was kann man da tun? Früher hätten viele Patienten sich mit einer Wärmflasche ins Bett gelegt oder ein heißes Bad genommen und vielleicht noch eine Schmerztablette eingeworfen. Und wahrscheinlich wären die Beschwerden am nächsten Tag besser, wenn nicht gar verschwunden gewesen. Die genannten Therapieempfehlungen hat er auch von mir bekommen. Um den Preis der Praxisgebühr und den (unnötigen ?!?) Kosten für die Behandlung.
Ein anderes Beispiel, das mir zu Ohren gekommen ist: Eine ältere Patientin stellt sich nach einer Schwindelepisode bei ihrem Hausarzt vor. Dieser untersucht sie und kann keine neurologischen Auffälligkeiten entdecken. Aber um sich abzusichern, überweist er sie zum Neurologen. Dieser kann ebenfalls nichts feststellen und überweist sie daher zum Ausschluss eines vertebragenen Schwindels zum Orthopäden. Dieser veranlasst ein CT und später noch ein MRT der Halswirbelsäule beim Radiologen, welche außer leichten degenerativen Veränderungen keinen pathologischen Befund erbringen. Also überweist er die Patientin zum HNO-Arzt, um eine Erkrankung des Innenohrs auszuschließen. Dieser kann ebenfalls nichts finden. Es sind zwei Monate vergangen, ohne dass die Patientin noch an Schwindel gelitten hätte.
Was tun?
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NobbyR
01. Februar 2010 12:55
Ein verbreitetes Hilfsmittel, welches angeblich zur Verstärkung und Verlängerung der Erektion dienen soll, ist der Penisring, auch Cock Ring genannt. Dieser wird um Penis, Glans oder auch Skrotum gelegt. Es gibt Modelle aus Leder, Gummi, weichem Kunstoff oder auch Metall in verschiedenen Größen. Es empfielt sich, den Durchmesser des eregierten Penis zu messen und dann den Durchmesser des Penisringes etwa 5 mm kleiner zu wählen. Speziell bei soliden Metallringen besteht jedoch die Gefahr, dass sich der Ring, insbesondere wenn er zu eng ist, nicht mehr selbständig entfernen lässt und es dann zum Priapismus kommt.
Dies ist trotzdem gewissermaßen die professionelle Lösung.
Nun sind urologische Patienten ja erfinderisch, so dass schon einmal Alltagsgegenstände in auto- oder fremderotischer Absicht zweckentfremdet werden. Es ist manchmal erstaunlich, wo man(n) sein vorgeblich bestes Stück überall hinein- oder durchstecken kann! Die Liste umfasst unter anderem Stahl- oder Gummimuffen, Dichtungsringe, Bratpfannenstiele, Getränkeflaschen und Eheringe mit zum Teil desaströsen Folgen. Da der Urologe aus Scham oft erst mit erheblicher zeitlicher Verzögerung aufgesucht wird, reichen die Komplikationen solcher Abenteuer bis zur Founier'schen Gangrän. Auch kann ein Priapimus, der zu spät behandelter Priapismus zu irreversiblen Schäden am Schwellkörper führen.
Die benötigten Hilfsmittel zur Entfernung der Fremdkörper sind nicht immer im Repertoir einer urologischen oder chirurgischen Ambulanz zu finden. Manchmal bedarf es nämlich medizinisch ausgefallener Werkzeuge wie Rohrzangen, Blechscheren, Seitenschneider, Metallsägen oder Vorschlaghämmer. Der Einsatz der Feuerwehr lässt sich daher nicht immer vermeiden.
Von Nachahmung wird jedenfalls dringend abgeraten.
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NobbyR
01. Februar 2010 10:04
„Innovative“, allerdings weniger empfehlenwerte Techniken zur Entfernung der Vorhaut werden gelegentlich bekannt.
So stellten Eltern ihren 3jährigen Sohn als Notfall in der urologischen Ambulanz vor, da dieser akut im Bereich des Penis blutete. Bei der Untersuchung fand sich dann eine komplette Abtrennung des Präputiums distal der Glans penis. Der Gedanke an eine missglückte rituelle Beschneidung lag nah, die Anamnese ergab jedoch folgenden Unfallhergang:
Der Junge, welcher eine rüsselförmige Phimose hatte, wollte selbständig Wasser lassen. Hierzu hob der den schweren Toilettendeckel an, was ihm nicht vollständig gelang. Als er dann seinen Penis über den Rand der Toilette hielt, fiel der Deckel ungebremst herab und quetschte die Vorhaut so, dass diese wie von einer Guillotine abgetrennt wurde. Es gelang eine nahezu perfekte Zirkumzision.
Ähnlich schmerzhaft war der Fall, bei dem ein Schäferhund einem Achtjährigen beim „Wildpinkeln“ im Park die Vorhaut abbiss.
Autsch!
Glücklicherweise sind solche unbeabsichtigen, traumatischen Zirkumzisionen eine kuriose Seltenheit.
Literatur:
Doehn C, Jocham D (Hrsg.). Kuriositäten aus dem urologischen Alltag. Steinkopf Verlag, 2009
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NobbyR
13. Oktober 2009 14:30
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