Ich bin Klempner von Beruf...

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Zweckentfremdung

NobbyR  vLine  01. Februar 2010 12:55   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 

Ein verbreitetes Hilfsmittel, welches angeblich zur Verstärkung und Verlängerung der Erektion dienen soll, ist der Penisring, auch Cock Ring genannt. Dieser wird um Penis, Glans oder auch Skrotum gelegt. Es gibt Modelle aus Leder, Gummi, weichem Kunstoff oder auch Metall in verschiedenen Größen. Es empfielt sich, den Durchmesser des eregierten Penis zu messen und dann den Durchmesser des Penisringes etwa 5 mm kleiner zu wählen. Speziell bei soliden Metallringen besteht jedoch die Gefahr, dass sich der Ring, insbesondere wenn er zu eng ist, nicht mehr selbständig entfernen lässt und es dann zum Priapismus kommt.


Dies ist trotzdem gewissermaßen die professionelle Lösung. 

 

Nun sind urologische Patienten ja erfinderisch, so dass schon einmal Alltagsgegenstände in auto- oder fremderotischer Absicht zweckentfremdet werden. Es ist manchmal erstaunlich, wo man(n) sein vorgeblich bestes Stück überall hinein- oder durchstecken kann! Die Liste umfasst unter anderem Stahl- oder Gummimuffen, Dichtungsringe, Bratpfannenstiele, Getränkeflaschen und Eheringe mit zum Teil desaströsen Folgen. Da der Urologe aus Scham oft erst mit erheblicher zeitlicher Verzögerung aufgesucht wird, reichen die Komplikationen solcher Abenteuer bis zur Founier'schen Gangrän. Auch kann ein Priapimus, der zu spät behandelter Priapismus zu irreversiblen Schäden am Schwellkörper führen.

 

Die benötigten Hilfsmittel zur Entfernung der Fremdkörper sind nicht immer im Repertoir einer urologischen oder chirurgischen Ambulanz zu finden. Manchmal bedarf es nämlich medizinisch ausgefallener Werkzeuge wie Rohrzangen, Blechscheren, Seitenschneider, Metallsägen oder Vorschlaghämmer. Der Einsatz der Feuerwehr lässt sich daher nicht immer vermeiden.

 

Von Nachahmung wird jedenfalls dringend abgeraten.

 
 

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Die Vorhaut-Tragödie, Teil 3

NobbyR  vLine  01. Februar 2010 10:04   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 

„Innovative“, allerdings weniger empfehlenwerte Techniken zur Entfernung der Vorhaut werden gelegentlich bekannt.

 

So stellten Eltern ihren 3jährigen Sohn als Notfall in der urologischen Ambulanz vor, da dieser akut im Bereich des Penis blutete. Bei der Untersuchung fand sich dann eine komplette Abtrennung des Präputiums distal der Glans penis. Der Gedanke an eine missglückte rituelle Beschneidung lag nah, die Anamnese ergab jedoch folgenden Unfallhergang:

 

Der Junge, welcher eine rüsselförmige Phimose hatte, wollte selbständig Wasser lassen. Hierzu hob der den schweren Toilettendeckel an, was ihm nicht vollständig gelang. Als er dann seinen Penis über den Rand der Toilette hielt, fiel der Deckel ungebremst herab und quetschte die Vorhaut so, dass diese wie von einer Guillotine abgetrennt wurde. Es gelang eine nahezu perfekte Zirkumzision.

 

Ähnlich schmerzhaft war der Fall, bei dem ein Schäferhund einem Achtjährigen beim „Wildpinkeln“ im Park die Vorhaut abbiss.

 

Autsch! 

 

Glücklicherweise sind solche unbeabsichtigen, traumatischen Zirkumzisionen eine kuriose Seltenheit.

 

Literatur:

Doehn C, Jocham D (Hrsg.). Kuriositäten aus dem urologischen Alltag. Steinkopf Verlag, 2009 

 
 

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Akute Zentritis

NobbyR  vLine  13. Oktober 2009 14:30   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 
Ein Trend der letzten Jahre ist die Zentrumsbildung: Brustzentrum, Darmzentrum, Beckenbodenzentrum, Schmerzzentrum und − die Urologen schließen sich hier natürlich nicht aus − Prostatazentrum bzw. Prostatakarzinomzentrum sind nur einige Beispiele. Allen Orten schießen qualitätsgesicherte und zertifizierte Kompetenzzentren aus dem Boden, teils vom Gesetzgeber so gewollt, teils in vorauseilendem Gehorsam. Man erhofft sich einen Standortvorteil mit einem Zugewinn an Patienten.

Für die jeweilige Abteilung bedeutet die Zentrumsgründung in erster Linie mehr bürokratische Arbeit: Jeder Arbeitschritt muss sorgfältig dokumentiert, jeder Fall gegebenenfalls interdisziplinär diskutiert und umfangreiche Ablaufbeschreibungen und Qualitätssicherungsmaßnahmen erstellt werden. Ob der einzelne Patient davon einen Gewinn hat, erscheint mir mehr als fraglich.

Wenn ein Mann mit Prostatakarzinom zur radikalen Prostatektomie in die Klinik kommt muss er mehrere Fragebögen zur Potenz, Miktion und Lebensqualität ausfüllen, muss ein psychoonkoligisches Konsil erhalten und vom Sozialdienst gesehen werden. Als Patient, der eigentlich nur von seiner Krebserkrankung geheilt werden möchte, würde ich mich da überfordert und eher unwohl fühlen.

Warum also Zentren?

So sind die Zeichen der Zeit.

Unsere Abteilung möchte übrigens gerne Prostatakarzinomzentrum werden...

;-)
 
 

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Lohnt sich die Niederlassung?

NobbyR  vLine  01. Oktober 2009 14:36   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 

"Lohnt sich die Niederlassung noch?"

 

Diese Frage wurde von einem Assistenzarzt gestellt, der kurz vor der Facharztprüfung steht, und ist für seine weitere berufliche Planung nicht unerheblich. Denn die Berichte über den Einkommensrückgang in den Arztpraxen und das Klagen der Niedergelassenen ist allgegenwärtig.

 

Es besteht anscheinend auch ein gesellschaftspolitischer Dissens darüber, wieviel ein Arzt für seine Arbeit verdienen sollte/darf. Man hat fast den Eindruck, als müsse man als Mediziner ein schlechtes Gewissen dafür haben, dass man seinen Patienten Geld für seine (Dienst-)Leistungen abverlangt. Dabei ist der Arzt jemand mit einer abgeschlossenen Hochschulausbildung und mehrjährigen Facharztweiterbildung, also eine qualifizierte Fachkraft mit hoher Verantwortung, und hat Arbeitszeiten jenseits der 40-Stunden-Woche, Wochenenden und Feiertage eingeschlossen.

 

Randnotiz (Rufen Sie doch an einem Wochenende in der Nacht den Schlüsseldienst, weil Sie sich ausgesperrt haben. Sie werden Atemnot bekommen, was Sie für vielleicht noch nicht einmal fünf Minuten Arbeit bezahlen. Der Handwerker würde jedenfalls für den Stundenlohn eines Arztes im Bereitschaftsdienst noch nicht einmal den Telefonhörer abheben!)

 

Ein (gegebenenfalls sogar promovierter) Akademiker in einer vergleichbaren Position in der freien Wirtschaft würde ein Vielfaches von dem verdienen, was ein Arzt bekommt, sei es als Angestellter oder Freiberufler. Nur stört sich bei einem Manager keiner ernsthaft am Einkommen. 

 

Wenn man heutzutage nicht in eine sehr gut gehende Facharztpraxis einsteigen kann, so halte ich es für ein nicht unerhebliches finanzielles Risiko eine Praxis zu übernehmen, geschweige denn eine neu zu gründen. Denn die Anfangsinvestitionen sind enorm, so dass man in der Regel zunächst hoch verschuldet ist, und die mittel- und langfristige Einnahmeprognose ist in Anbetracht der laufenden Entwicklungen im Gesundheitswesen teils schwer kalkulierbar. Anders als ein mittelständischer Unternehmer kann ein Arzt seine Praxis nicht als GmbH organisieren und so sein wirtschaftliches Risiko limitieren: Geht seine Praxis pleite, haftet er auch mit seinem Privatvermögen und steht möglicherweise vor dem finanziellen Ruin.

 

Leider trägt man als niedergelassener Arzt nur dieselben unternehmerischen Risiken wie zum Beispiel ein Handwerksbetrieb, hat jedoch bei weitem nicht die gleichen Möglicheiten. So verbietet zum Beispiel die Berufsordnung immer noch Werbung, und die Preisgestaltung ist fest an die KV und die GOÄ gebunden. Selbst ein Rechtsanwalt ist nicht zwingend an die anwaltliche Gebührenordnung gefesselt, sondern hat zumindest bei der außergerichtlichen Tätigkeit einen Verhandlungsspielraum der Vertragsparteien, und darf für sich werben.

 

Lohnt sich also die Niederlassung noch? Wenn sie wohlüberlegt ist, wahrscheinlich schon. Aber man sollte sich der Risiken bewusst sein. 

 
 

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Freie Gesundheitsmarktwirtschaft

NobbyR  vLine  19. September 2009 12:22   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 

Da haben also einige Deutsche Krankenhäuser „Kopfprämien“ für die Zuweisung bestimmter Patienten gezahlt. Auch in der Urologie soll es solche Modelle geben oder zumindest gegeben haben. Ob die Initiative hierzu von den Kliniken oder den niedergelassenen Ärzten ausging, ist unklar und dürfte von Fall zu Fall anders sein. Beide Varianten sind denkbar: Wir, die Krankenhausabteilung, geben dir, zuweisender Arzt, als Belohnung/Anreiz eine bestimmte Summe Geld für jeden Patienten, den du uns schickst; oder: wenn ihr mir nichts bezahlt, weise ich meine Patienten eben woanders ein.

 

Jedenfalls ist die Aufregung groß. Und Frau Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hat ein willkommenes Thema, um von ihrer Dienstwagenaffäre abzulenken und einmal mehr korrupte Ärzte anzuprangern. Aber kaum einer hinterfragt, wie es zu solchen Bestechungssystemen gekommen ist.

 

Auf der einen Seite wächst der wirtschaftliche Druck auf die Klinken: Stetig steigende Ausgaben stehen weitgehend gleichbleibenden, gedeckelten Einnahmen gegenüber, so dass viele rote Zahlen schreiben. Glaubt man den Berechnungen einiger Gesundheitspolitiker, so gibt es nach wie vor in Deutschland Tausende von Krankenhausbetten zuviel. Es werden also Betten abgebaut; unrentable Krankenhäuser sollen schließen. Dies ist politisch gewollt. Da ist es – aus betriebswirtschaftlicher Sicht – naheliegend, insbesondere in Regionen mit hoher Klinikdichte ein Incentive-System für zuweisende Ärzte zu schaffen, damit diese lukrative Patienten in eigene Klinik überweisen. Schließlich sollten die Betten möglichst ausgelastet sein, um die nötigen Fallzahlen und damit DRGs zu erreichen. Denn ein Überschreiten der zuvor vereinbarten Fallzahlen bedeutet zwar nicht mehr Geld für das Krankenhaus, ein Unterschreiten aber eine sofortige Kürzung des Budgets im kommenden Jahr. Da kann man auch einen Teil der Fallpauschale abgeben, um sein Ziel zu erreichen, unter dem Strich bleibt wohl ein Gewinn. Das ist Markwirtschaft, sozusagen Payback-Punkte auf hohem (illegalem) Niveau.

 

Andererseits hat sich die Einkommenssituation vieler niedergelassener Ärzte allen Unkenrufen zum Trotz in den letzten Jahren so verschlechtert, dass der einzelne versucht sein mag, sich neue Einnahmequellen zu erschließen. Sei es durch das Angebot fragwürdiger IGeL oder eben im Einzelfall auch durch Bestechlichkeit. Man möge in diesem Zusammenhang die Macht der Niedergelassenen nicht unterschätzen: Der Boykott einer Klinik durch die Zuweiser kann desaströse Auswirkungen auf die Belegung haben. Denn in den meisten Fällen werden die Patienten der Empfehlung ihres Arztes folgen und dorthin gehen, wohin er sie schickt.

 

Dies alles rechtfertigt die gezahlten „Kopfprämien“ natürlich nicht, aber es macht verständlicher, wie sich vielleicht solche Konzepte entwickeln konnten. Und es ist gut, dass das Publikwerden dieser Bestechungsgelder solche Konstrukte zukünftig wohl unmöglich machen. Die entscheidende Frage wird sich wohl nicht oder nur sehr schwer klären lassen: Hat irgendein Patient Schaden genommen, weil er in dem einen zahlenden Krankenhaus behandelt wurde und nicht in einem anderen, welches keine Prämie überwiesen hätte? Denn genau das wird natürlich von der Presse und den Politkern unterstellt.

 
 

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