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Warum eigentlich?

Melanie Röser  vLine  01. August 2008 22:17   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 

Gesundheitsreform. Warum eigentlich? Gab es eigentlich schon eine gravierende Verbesserung? Die auch wirklich jemandem genützt hat? Folgende Beispiele aus meinem Alltag in der Apotheke lassen mich zweifeln.

Wir haben eine Patientin, die seit einigen Jahren auf Tilidin Sandoz 100/8 "schwört". Sprich, sie ist gut eingestellt, das sind Ihre Tabletten die Ihr einfach helfen. Jetzt löst sie ein Rezept in der Apotheke ein und bekommt aufgrund ihrer Krankenkassenkonstellation so mir nichts dir nichts das Original Valoron 100/8 ausgehändigt. Das sind doch nicht ihre Tabletten, das muss ich doch wissen. Sie will nichts anderes, das verträgt sie nicht und helfen tun die bestimmt auch nicht. Natürlich auch gleich den Chef der Ortsvertretung ihrer Krankenkasse angerufen und sich beschwert. Doch der klebrige Balsam floss in Strömen. "Aber nein. Sie bekommen, das was der Arzt verordnet. Das steht ihnen zu. Sie müssen nur mit dem Arzt reden." Und wenn der Arzt das Kreuz setzt, dann stechen wir von hinten zu und geben ihm eines auf die Mütze, denkt er sich lächelnd. Reaktion des Arztes: Wenn die Krankenkasse ihm das schriflich zukommen lässt, das sie nur noch dieses Medikament erhalten soll, werde er es dann so verordnen, mit Kreuz. Hallo? Ich dachte der Arzt arbeitet mit dem Patienten an einer Therapie und bestimmt die richtigen Medikamente? Ach nein, wohl auch nicht mehr.

Natürlich muss ich dazu sagen, das es einfach verwirrend ist und auch unser Argument, sie erhalte das Original, von der Firma, die zuerst mit dieser Kombination auf dem Markt war, konnte sie nicht überzeugen. Früher hätten sich die Leute gefreut zu hören, ihre Krankenkasse bezahlt das Originalpräparat für sie. 

Umgekehrt geht natürlich auch und das zeigt mir wieder wie wichtig es ist, den Patienten eindeutig klarzumachen, was sie in der Apotheke bekommen. Also wirklich am besten auf der Packung vermerken, wie das zuerst verordnete Präparat heisst, damit keine Verwechslungen passieren können. 

".... mir fehlt mein Aquaphor! Es muss auf dem letzten Rezept mit dabei gewesen sein! Der Doktor hat gesagt er hats verschrieben." "... Kundenkarte?" "Brauch ich nicht." "Was haben Sie den zuhause?" "Mir fehlt mein Aquaphor! Die eine Schachel hier ist neu, aber das ist das nicht, da steht Xipamid drauf." ... Aha...

 

Es ging ja eigentlich mal ums Sparen. Und wieder ein Beispiel, bei dem mir der Einblick fehlt und für mich daher nur unlogisch ist. 

Verordnung für ein Kind: Aciclovir ratiopharm Lippenherpescreme 2g (apothekenpflichtig). Je nach Kasse ploppt das Fenster auf. Moment mal, da gibt es ein Rabattarzneimittel. Vergleichen Sie und handeln Sie nach pharmazeutischem Ermessen. Was sieht man da?  Acic 2g (verschreibungspflichtig) und natürlich auch dementsprechend teurer. ??? Ich dachte es soll gespart werden? Erklärung von Kollegen: Durch den Rabatt der Firmen sparen die Kassen auch wenn sie im ersten Blick teurere Medikamente bezahlen. Im Ernst? Klingt einleuchtend und irgendwie konfus. Aber es scheint sich ja zu rechnen. 

Verordnung Pulmicort Turbohaler 200 100EDO - Plopp - Rabattarzneimittel, vergleichen Sie und handeln Sie nach pharmazeutischem Ermessen. Budesonid 200 Merck 200 EDO. Bitte? Doppelte Menge wie verordnet? Komisch. Da sind dann wohl pharmazeutische Bedenken angebracht, wirtschaftlich gesehen. Winken

 

Ich hoffe weiterhin auf noch mehr verständnisvolle und geduldige Kunden, wenn ich mal wieder etwas länger brauch um alle Richtlinien korrekt umzusetzen.(Rabatt, Import, Indikationsgleich, Pharmazeutische Bedenken) Und natürlich ein Dankeschön an alle, die auch heute schon Verständnis mit unserer Situation haben. Ein täglicher Spagat zwischen unserem Grundsatz, den Erhalt und der Wiederherstellung der Gesundheit der Bevölkerung durch schnelle Versorgung mit Arzneimittel, Beratung und vielem mehr, sowie den komischen Forderungen der nimmersatten Krankenkassen.

 
 

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Und wenn jemand stirbt?

Thomas Luft  vLine  29. Juli 2008 13:51   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 

Gerade hatte ich mal wieder eine Diskussion wegen der Rabattverträge, die ich versuche einigermaßen wortgetreu wiederzugeben. Es ging um den Austausch von Marcumar gegen ein Rabattarzneimittel. Der Arzt hat natürlich kein "aut idem"-Kreuz gesetzt und der Kunde war schon einmal da, wollte aber nochmal bei der Kasse abklären warum und wieso er jetzt etwas anderes bekommen soll (immerhin, er hat es versucht). Ich versuche auch ein klein wenig den Kurpfälzer Dialekt einzubringen, der das Ganze wirklich lustig klingen lässt, obwohl das Thema richtig traurig ist:

Apotheker: "Herr H., ich muss ihr gewohntes Marcumar gegen ein anderes Mittel mit dem gleichen Wirkstoff tauschen"
Herr H: "Näää, die nemm isch nedd. Isch hab schunn bei der Kass ohgeruufe unn gefragt was des soll"
Apotheker: "Und was hat der Angestellte der Krankenkasse gesagt?"
Herr H.: "Dass die schbaare müsse unn isch desweege ä anner Medikament kriege tät. Awwer isch habb dann gefrohgt was iss wann die Leit desweege sterwe. Unn do hott die Dame vunn de Kass nur gemähnt 'Do kenne mir dann ach nix für'"

Noch Fragen?

PS: ich habe dann auf Grund pharmazeutischer Bedenken nicht substituiert und harre der Retaxationen, die da möglicherweise kommen.

 
 

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Vom Gespür der Kunden, wann man schlafen geht

Thomas Luft  vLine  26. Juni 2008 11:28   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 
Von gestern auf heute durfte ich mal wieder Notdienst schieben. Das war zwar blöd, weil ja das EM-Halbfinale lief und ich nicht groß mit Freunden mitfiebern konnte, aber es gibt schlimmeres auf der Welt. Wie immer gehe ich bei solchen Diensten recht spät ins Bett, gestern war es irgendwann kurz nach 1:00 Uhr. Und wie immer dauert es keine halbe Stunde und es klingelt an der Tür. Woher haben die Kunden das Gespür, wann meiner einer sich in die Horizontale begibt?
 
 

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Ich will größere Rezept-Formulare

Thomas Luft  vLine  17. Juni 2008 12:09   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 

Seit kurzem dürfen wir Apotheker die Rabattverträge dann nicht einhalten, wenn wir "pharmazeutische Bedenken" haben. Was das genau ist hat mir noch niemand erklärt, aber ich nutze das z.B. bei Psychopharmaka oder bei Epileptikern. Schließlich sind das a) schwierige Patienten und b) weiß man nie genau was der ein oder andere Hilfsstoff da noch ausmacht.

Allerdings gibt es da ein Problem: unsereiner muss natürlich dokumentieren warum er den Rabattvertrag nicht einhält. Das geht noch, wenn nur ein Medikament verordnet ist. Wenn aber derer drei auf dem Rezept stehen und dann noch zusätlich die PZNs, irgendwas von "vermutlich ist dieses Medikament zuzahlungsbefreit" und noch Einnahmehinweise, wird das doch recht eng.

Deshalb fordere ich Din A5 statt Din A6-Formulare. Da kann ich dann meinen pharmazeutischen Sermon a la "Wurde nicht ausgetauscht, weil der Patient gut eingestellt ist und die Compliance bei einer Umstellung fraglich ist" hinschmieren. Im Moment wird das alles sehr krakelig.

Aber gut, die Kassen wollen das so, ich bin ein dummer Apotheker, der ja keine Ahnung hat und damit schließlich willfähriger Knecht der Krankenkassen. Um gute Versorgung der Patienten geht es ja schon lange nicht mehr...

 
 

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Computer-Chaos

Thomas Luft  vLine  14. Juni 2008 15:22   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 

Juchuh, am Montag war es mal wieder soweit: unser Server war kaputt. Ein Freund, dem ich das erzählt habe, meinte nur "Was, ihr habt in der Apotheke einen Server? Wozu das denn?". Naja, das mit den Rabatt-Arzneimitteln, Festbeträgen und Aufzahlungen zu erklären habe ich ihm dann erspart, aber zurück zum Thema: ich komme ins Geschäft, fahre die Rechner hoch und werde von einer schwarzen DOS-Box begrüßt, die mir sagt, dass der Server nicht zu erreichen ist. Und das an jedem PC. Also gut, in Anbetracht der Unwetter vom Wochenende dachte ich mir nichts böses und bin ab in den Keller um das Ding neuzu starten.

Pustekuchen: der Lüfter läuft, es blinkt, aber sonst passiert -genau- gar nichts.

In der Zwischenzeit waren dann natürlich schon die ersten Kunden da und wurden von uns vertröstet: "Ja, wir bestellen das", "Nein, bezahlt wird erst später, weil wir Ihnen nicht sagen können was das jetzt kostet". Dazu dann noch die Verunsicherung welcher Rabattvertrag nun greift. Einfach toll.

Die Jungs vom Softwarehaus haben dann nach 10 min zurückgerufen und gemeint ich solle mal den Server neu starten und ihn vorher von der USV abhängen. Das hat aber auch nichts gebracht. "Da ist vermutlich der Hauptprozessor kaputt. Das muss ich an die Technik weiterleiten" war der abschießende Kommentar. Mein "Ja, aber bitte zügig" ging aber leider unter.

Gut, dass ich mich mit PCs einigermaßen auskenne und auch vor dem Aufschrauben dieser Geräte nicht zurückschrecke. Da mir aber der Keller zum herumschrauben zu unbequem war, habe ich den Rechner nach oben verlagert und dort angefangen alles zu verkabeln. Schließlich wollte ich erst noch mal sehen, ob wiklich nichts mehr geht. Und siehe da, das Herumtragen hat wohl eine heilende Wirkung gehabt: die Kiste lief plötzlich wieder. Nachdem ich sie dann vom Staub von 1,5 Jahren befreit und wieder im Keller angeschlossen hatte, konnten wir normal weiterarbeiten. Natürlich musste die eine Stunde ohne PC erst mal nachbearbeitet werden, POS, Rabattverträge und immer größeres Chaos im Gesundheitswesen sei Dank.

Mit Grauen denke ich an die elektronische Gesundheitskarte. Wenn da etwas ausfällt, geht gar nichts mehr.

Ach ja: die Technik unseres Softwarehauses hat sich dann so gegen 10:00 Uhr gemeldet. Eine Reaktionszeit, die ich für einen Notfall als zu lang empfinde.

 
 

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