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Jürgen Rabe
02. Dezember 2009 21:13
In der derzeitigen Situation in der ambulanten Medizin ,die für alle Beteiligten alle anders als " rosig einzustufen ist, begegnet dem aufmerksamen Leser immer wieder Berichte und Schilderungen von Ärzten , die ausgebrannt sind.
Vor dem grassierenden "Burn-out" sollte man sich schützen, nicht nur als Arzt sondern auch alle Mitarbeiter ,die in der Praxis auch der enormen Belastung zwischen den teils aggressiven und übertriebenen Forderungen der Patienten und den engen Budgetrahmen mit belastet sind.
Als vor 2 Jahren die KV die Initiative des QM (Qualitätsmanagment ) an uns herangetragen wurde, begegnete so mancher - so auch wir -dem Ganzen mit einer gehörigen Skepsis. Mehr als ein weiterer bürokratischer Aufwand erwarteten wir nicht davon. Schaut man aber objektiv zurück, so haben wir als Praxisteam davon erheblich profitiert.
Die regelmäßigen Praxisbesprechungen und das morgendliche Briefing haben zu einer Offenheit untereinander geführt, die zum ersten ein gutes Fehlermanagment ermöglicht haben und insbesondere das Teamgefühl geboren und gestärkt hat.
Die Mitarbeiter haben erkannt, dass nur eine gute Stimmung im Team uns stärken kann und uns motivieren kann, es alles nicht so schwer zu nehmen und und frohgemut weiter zu arbeiten.
Da gibt es Wetten , ob der Patient , der fast immer aus einem nichtigen Grund den Termin platzen läßt , heute wieder absagt . Es wird auf einen " Gelbschein " Jäger gewettet, und das Hallo ist groß ,wenn er heute , die Praxis ohne eine AU verläßt.
Da kommt der Patient , der schon zum fünften Mal über die H1N1 Impfung beraten wurde. Prompt wird er praxisintern in " Rudi Völler" umgetauft , in Anlehnung an das legendäre Interview:" Ich kann die Sch.. nicht mehr hören" .
Ein Lachen unabhängig der roten Pappnase a la v. Hirschhausen schafft eine lustig lockere Atmosphäre , von dem auch die Patienten profitieren.
Und die Tochter einer Angehörigen , die für ihre arme Mutter zwei Überweisungen braucht, nämlich für den Heilpraktiker und den Zahnarzt gilt als unser " Albert Einstein in Anlehnung an das Zitat : Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit ... "
I started a joke making the whole world crying
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Jürgen Rabe
22. November 2009 19:48
Der Herbst mit seinem feuchten unangenehmen Wetter läßt selbst mich als überzeugtem Radfahrer jetzt kapitulieren und auf das Auto umzusteigen.
Das hat natürlich den Nachteil, dass man sich wieder an Staus, Stop and go Verkehr und an die unsäglichen hunderte von Ampeln gewöhnen muß. Nein aber daran kann ich mich nicht gewöhnen, dass eine Ampel so geschaltet ist, dass durch eine Kontaktschleife jedes Fuzziauto die Hauptverkehrsstrasse für 2 Minuten aufstaut.
Dies führt häufig dazu , dass sich ohne weiteres ein 1 km Stau bildet( Hallo Verkehrsfunk HR 3? nie davon gehört). An manchen Morgenden , wenn ich etwas früher zur Blutabnahme zum HB muss , wird mir manchmal ein weiteres unwiederbringliches Ereignis zuteil. Die besagte vielgeliebte "Obertshäuser Ampel " besitzt auch eine Zeitschaltung, die nach 2 Minuten wieder rot auch wenn kein Auto einbiegt. Super :Auftrag erfüllt, denn der Sinn einer Ampel kann derzeit nur darin bestehen bis zu einem gewissen Verkehrsaufkommen , gezielt einen Verkehrsfluss zu unterbinden.
Klar wird mir immer dieses Phänomäen, wenn manchmal durch einen Unfall , wenn ein Auto ein Ampel abgeknickt oder voll zerlegt hat von ein auf die andere Minute kein Lichtzeichen mehr da ist, und siehe da keine Auto steht kein wesentlicher Stau keine Verkehrsbehinderung. O Wunder der Verkehr fließt. Aber das will man ja nicht und spätestens am Abend ist die Schaltung wieder aktiviert.
In Zeiten der Erderwärmung , der Polkappenabschmelzung sollte man sich schon überlegen ob dies so weiter gehen kann.
Drive ..and stop
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Jürgen Rabe
30. Oktober 2009 21:10
Gelegentlich wird man durch Begegnungen mit seinen Patienten an Situationen in der eignen Kindheit oder auch Jugend zurückversetzt.Heute war es mal wieder so weit , als ein Patient mit suffisanten Grinsen vor mir sass und unaufgefordert mir erklärte" Ja ich war schon lange nicht mehr bei Ihnen aber ich war in der Zwischenzeit überhaupt nicht krank" verblüfft schaute ich in die Datei auf dem Bildschirm und stellte mit Erstaunen fest, dass der letzte Kontakt schon drei Jahre zurücklag. Und zudem waren es Quartale seinerzeit indem der Patient fast über zehn Praxis-Kontakte hatte und auch alle diagnostische Leistungen wie BE , Ultraschall Abdomen und SD mitgenommen , wie auch Verordnungen wie Massagen abgeräumt hatte.
Und prompt fiel mir mein Klassenlehrer in der Quinta ein, der die Maxime vertrat bei den Zuspätkommern ,den Schulschwänzern, dass die Ausrede abhängig von deren Intelligenz war und sehr beleidigt und auch überaus empört war, wenn man nicht ein Minumum an Intelligenz und Kreativität aufbrachte in der sogenannten Story, warum man eben heute wieder nicht die Strassenbahn zur rechten Zeit erwischt hatte.
Er war einfach gekränkt, ob tumber Erklärung, so wie ich heute bei dem Herrn , der immer noch mit Dauergrinsen vor mir sass und jetzt auch noch von sich gab : "Was glauben sie wie lang ich schon so furchtbare Schmerzen habe !Sie sind doch mein Hausarzt und haben mir immer schon so gut geholfen. Ich glaube , ich brauch wieder ein paar Massagen und eine Krankmeldung für eine Woche erst mal."
Eigentlich war ich froh , als er wieder aus der Praxis war, mit der Hoffnung , dass der nächste Besuch vielleicht erst in 5 Jahren erfolgen würde
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Jürgen Rabe
16. Oktober 2009 18:45
Nicht selten kehren Patienten von ihren Ausflügen von Heilpraktikern oder medizinisch halbgebildeten Familienangehörigen in die Praxis zurück und präsentieren eine Verdachtsdiagnose , die alle Somatisierungsstörungen der letzten Monate in einem anderen Licht erscheinen lassen und eine für alle schlüssige und sonnenklare Erklärung gibt, die, wie konnte ich auch als behandelnder Arzt nicht darauf kommen, nur noch einer Bestätigung durch meine zu veranlassende Diagnostik mittels Labor, Ultraschall vielleicht auch MRT der Bestätigung bedarf.
Bei der durchschnittlichen Morbidität der Gesamtbevölkerung ist es natürlich ab eines gewissen Alters nicht verwunderlich , dass ein fast 70 jähriger Patient schon mal "was am Herzen hat" und auch die " Leber einen leichten Schaden" aufweisst.
So ist es auch mit der Schilddrüse, von meinen nicht deutschsprachigen Patienten auch liebevoll schon mal "Schildkröte" genannt. Im Süddeutschen Raum leiden 80 Prozent aller Patienten unter einer Vergrößerung des Organes und davon haben 20 Prozent Knoten oder knotige Veränderungen.
Eine Vermutungsdiagnose "Sie haben etwas an der Schilddrüse" trifft somit nicht selten ins Schwarze.
Eine junge Patientin sass nun erwartungsfroh vor mir ; die Palpation war unauffällig, die SD-Werte TSH, fT3 und fT4 im Normbereich. Die Basisdiagnostik , wie in den Präventionsuntersuchungen empfohlen, war wie gesagt aber unauffällig.
Dennoch liess ich mich zum Ultraschall der Schilddrüse überreden und ich mußte zu meiner Überraschung feststellen , dass sich im rechten SD Lappen eine cystoide Raumforderung von 1,5 cm Größe mit polypoider Binnenstruktur befand. Szintigramm werden folgerichtig und auch Punktion folgen.
Und die Moral von der Geschicht?
Was nützt eine Vorsorgeuntersuchung ,jährlich propagiert , die nur inkomplett ist , und somit die grosse Gefahr eines falsch negativen Befundes in sich birgt, zumal die entscheidende Untersuchung, wie hier die Sonografie nicht Bestandteil des Screenings ist?
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Jürgen Rabe
12. Oktober 2009 22:07
In der Praxis hat man manchmal mit lokalen Grössen, Pfarrer , Lehrer und sogar auch mit Politikern wie etwa Stadtverordnete oder Fraktionführer der etablierten Parteien zu tun.
Viele sind sehr freundlich, umgänglich, nett und manchmal auch sogar bescheiden. Allerdings gibt es auch solche Herrschaften, die glauben per se der sogenannte "local hero" zu sein, dessen Name beim nennen Programm sein muss, erfürchtiges Erstaunen bei allen, insbesondere bei den" kleinen "Helferinnen, den kleinen" Hascherln" hervorufen m u s s.
Der erste Anruf kam gegen halb neun als ich bei der Ultraschalluntersuchung war.Mir wird berichtet , dass Herr X, der Stadtverordnete, wegen einer Verletzung seines Sohnes mit mir sprechen wolle, allerdings sei der Sohn schon beim Spezialisten versorgt, er wolle nur mit mir sprechen aber es soll keinesfalls eine Beratung sein.
Ich versprach zurückzurufen , aber die aktivierte Abwehr liess mich dies gekonnt verdrängen.
Doch gegen Sprechstundenende war es soweit , der "local hero " kam schnurstracks in meinen Behandlungsraum , sich nicht um die Helferin scherend, die ihn bat im Wartezimmer Platz zu nehmen.
Der Sohnemann hatte beim Basketball sich einen Riß des vorderen Kreuzbandes zugezogen, sollte jetzt operiert werden. Ich möge ihm doch eine gut Klinik empfehlen, wie würde das denn operiert, wie sei der Krankheitsverlauf, usw,usw. Er stellte eine Fülle von Fragen und Fragen und diese beantwortete ich geduldig.
Nach ca. 7 Minuten war es dann soweit , offenbar von meinen Antworten befriedigt drehte er sich herum und sagte mir freundlich lächelnd ins Gesicht :" Das war aber keine Beratung , die Sie abrechnen können, nicht wahr.!"
Welcher Couleur der Herr Stadtverordnete war, nur so viel, mein Beitrag sollte ursprünglich "Green, green grass of Home/ Tom Jones "heissen.
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