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Die ewige Redundanz- warum die Argumente der Gegner eines Facharztes für Notfallmedizin immernoch falsch sind Teil 1

Dr. Lars Lomberg (nofame4u)  vLine  28. November 2011 10:38   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 

Der folgende Text gliedert sich jeweils in Behauptung und Gegendarstellung. Über eine lebhafte Diskussion würde ich mich sehr freuen...

 

"Fachdisziplinen müssen ihre „eigenen“ Notfälle selbst behandeln"

Welches gottgegebene Gesetz besagt das? Hausärzte behandeln somit also auch "illegal fachfremd"? Wie steht es mit präklinischen Notärzten? Klammern an den Satus quo macht Dinge inhaltlich nicht richtiger! Zunächst einmal steht bei den meisten Notfällen eines oder mehrerer Symptome, kein definiertes Erkrankungsbild im Vordergrund, so dass die primär zuständige Disziplin gar nicht so einfach zu bestimmen ist. Die zunehmende Multimorbidität einer alternden Bevölkerung trägt hierzu ihr Übriges bei. Das Fachgebiet Klinische Notfallmedizin definiert sich darüber hinaus als mehr als die Summe verschiedener Fachdisziplinen und enthält weitere wichtige Themen wie fachübergreifende Notfallsonographie, Triage, betriebswirtschaftliche Inhalte u.v.m. 

 

"Notfallmedizin ist keine Karriereoption, keiner will das ein Leben lang machen "

Die Argumentation ist gegenwärtig nicht mehr haltbar. Die Anzahl der Kliniken mit ZNA (zentraler Notaufnahme) steigt stetig, diese benötigen Fachpersonal auf Chef- und OA-Positionen mit klinisch-notfallmedizinischer Expertise, viele Krankenhäuser haben bereits erkannt, dass mit Installierung eines Superspezialisten erstens interne Konkurrenzen entfacht werden und zweitens der notwendige Blick aufs grosse Ganze fehlt. Die Realität ist hier also schon weiter als die anachronistische Argumentation der Gegner. De facto bietet die Notfallmedizin gegenwärtig sogar ohne eigenen Facharzt schon gute Karriereoptionen, welche mit eigener Facharztkompetenz nur noch besser wären. Inwieweit Klinische Notfallmedizin ein Lebensentwurf ist, ist sicher individuell unterschiedlich, ein späterer Wechsel bleibt unbenommen, auch in anderen Disziplinen wechseln Ärzte schließlich auch in den nicht-kurativen Teil. Trotzdem kann Notfallmedizin gerade im Alter eine dauernde Herausforderung bleiben, eine Schichtarbeit ist in höheren Positionen ebenfalls nicht regelhaft notwendig. Wir bedanken uns bei unseren Argumenationsgegnern jedoch für die "aufrichtige Sorge" um unsere berufliche Zukunft. 

 

"Für eine Facharztbezeichnung muss ein flächendeckender Bedarf vorhanden sein"

Hierbei handelt es sich um eine formale Argumentation auf Kammerebene. Jährlich steigende Patientenzahlen in den Notaufnahmen von 5-10% zeigen wohl deutlich genug einen steigenden Bedarf an kompetenter Notfallversorgung aus Patientensicht. Bezüglich des Personalbedarfs in den Notaufnahmen sei auf die wöchentlichen Stellenanzeigen im DÄB hingewiesen, jedes Krankenhaus, unabhängig von seiner Grösse, kann durch eine gut strukturierte Notaufnahme seine Wirtschaftlichkeit und Notfallversorgungsqualität steigern, insofern ist auch hier ein flächendeckender Bedarf vorhanden. 

 

"Der Facharztstandard muss gewahrt sein"

Nett gesagt. In den letzten Jahren mal in einer Notaufnahme gewesen? Aktuell ist es dank des Ärztemangels wohl eher ein Berufsanfänger, mit Pech auch noch mit Sprachbarriere, der der erste Ansprechpartner in der Nacht ist. Darüber hinaus schadet eine ganzheitliche Erstversorgung bei zunehmender Supraspezialisierung sicher nicht, die Notwendigkeit eines Hausarztes wird lustigerweise ja auch von niemandem angezweifelt. Eine Koro wird sicher auch in Zukunft noch vom Facharzt für Kardiologie durchgeführt, eine Schenkelhalsfraktur vom Unfallchirurgen operiert, dahingehend können alle Befürchtungen der etablierten Disziplinen entkräftet werden.

Sicherlich sollte auch auch in der Notaufnahme der Facharztstandard Standard sein: durch einen Facharzt für Notfallmedizin. Aus personellen und ökonomischen Gründen dürfte das gleichzeitige Vorhalten eines FA aller Disziplinen vor Ort 24 Stunden-7 Tage  im Jahre 2012 kaum finanzierbar sein und ist auch organisationstechnisch nicht sinnvoll.  

 

 

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#2 Lars Lomberg    (Homepage)    30.11.2011 19:18

Zunächst einmal vielen Dank für den kontroversen Kommentar. Zustimmen muss ich ihnen hinsichtlich der Notwendigkeit eines Generalisten und der Wichtigkeit der von ihnen benannten "soft skills" wie einer adäquaten Kommunikation. Bei meinem Artikel und bei der gesamten Facharztdiskussion geht es jedoch ausdrücklich um einen Facharzt für KLINISCHE Notfallmedizin, und hier sieht die Welt nämlich etwas anders aus als im Rettungsdienst. Ein bisschen intubieren und internistisches Notfallwissen alleine reichen hier nämlich nicht. Wer sich die Situation in den englischsprachigen Ländern mit einem eigenen "Emergency Physician" ansieht, der wird feststellen, dass Entscheidungs- und Behandlungsalgorithmen im klinischen Setting ungleich komplexer sind als im Rettungsdienst. Und wer das Patientengut einer Maximalversorgerklinik in der Notaufnahme kennt, stellt schnell fest, das mitnichten 90% internistisch sind. Klinische Notfallmedizin bedeutet "Notfallgeneralist" zu sein, neben einem breiten Wissen ausgestattet mit Managementfähigkeiten, kühlem Kopf und Kommunikationsgeschick. Er muss die Algorithmen für die Erstdiagnostik aller relevanten Krankheitsbilder kennen und seine Arbeit beschränkt sich nicht nur aufs Blutdruckstabilisieren. Insofern wird der Facharzt für KLINISCHE Notfallmedizin niemals wie sie befürchten ein "Superspezialist", sondern ein "Supergeneralist" für die ersten Stunden. Gruss, Dr. L. Lomberg www.nofame4u.de

#1 Meyer-Dunker    30.11.2011 07:51

Wir brauchen keinen neuen speziellen Facharzt für xxx, wir brauchen nur gute qualifizierte Ärzte. Wir sehen es doch im Rettungsdienst. Dort arbeiten gute Leute. Sie können, was sie täglich machen. Sie können nicht: Labor, Röntgen, Medikamente u.a. Ein spezieller Facharzt verengt den Blick auf ein kleines Segment, er ist kein guter Allrounder für den ganzen Menschen und damit kein guter Arzt. Ich war fünf Jahre in einem kleinen Haus in der Inneren, arbeite seit 2003 als Notarzt. Da üben Sie, was Sie brauchen. Außerdem sind 90% aller Notfälle internistisch. Der Anästhesist intubiert besser, sonst fühle ich mich keiner Disziplin, auch keinem Spezialisten unterlegen. Bei einer hypertensiven Entgleisung hilft Nitro - und Reden. Nehmen Sie die Hand des Patienten, nehmen Sie die Angst und der Blutdruck sinkt. Ob das der neue Superspezialist kann ?

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