In der vergangenen Woche hatte ich zwei Gedanken:
Nummer eins: "Schlimmer kann's nicht werden!"
Nummer zwei: "Es geht also immer noch schlimmer!"
Danke Gott, für diese erleuchtende Erkenntnis.
Wie heißt es doch so schön?
Wer hoch hinaus will, muss tief unten anfangen?
Na, du hast mich ertappt. Ich weiß nicht mehr ganz, wie genau der Spruch ging.
Ist hier auch gar nicht wichtig. Viel wichtiger ist die Frage:
Weißt du, was ein Nervenzusammenbruch ist?
Bitte potenziere dieses Gefühl mit einem Schlag in den Magen und den Geschmack vom Blut im Mund und du weißt ungefähr, wie übel mir letzte Woche war.
Ich denke, die letzte Woche war so ziemlich die beschissenste meines gesamten Sommers.
Ach, was sage ich?! Nennen wir es einfach "Der Absturz".
Müsste ich ein Buch dazu schreiben, wäre das wohl der Titel.
-
Ich muss hier einen "kleinen" Einschub machen, um kurz meinen Werdegang zu rekapitulieren - ich weiß, das könnte langweilig werden, aber ich komm nicht drum rum! Hoffen wir das Beste!
Also, ich bin nun seit August im Labor als "Doktorandin", fühl mich aber eigentlich nicht als solche. Gut, ich weiß auch nicht, wie man sich dabei fühlen soll. Das ist wahrscheinlich so, wie die Frage an deinem Geburtstag wie du dich denn nun fühlst mit einem Jahr mehr auf dem Buckel. Na, wie fühlt man sich da? Ich hatte da nie eine Antwort drauf.
Ich bin nun also Doktorandin und doktore so die Tage vor mir her. Doktor hier, Doktor da, Doktor alles wunderbar? NEIN! Ganz im Gegenteil.
Es ist ein ständiges Auf und Ab. Ich bin nicht verliebt und fahre trotzdem mit in der Achterbahn. Das ist nicht fair. Ich bin weder psychisch (total) gestört, noch habe ich den (totalen) Drang zum Theatralischen. Aber das hier bringt mich tatsächlich mal wieder an meine Grenzen. Ich weiß, das klingt echt erbärmlich und ich wünsche mir auch, dass es mir anders ergehen würde. Aber so ist es nun mal. Also raus mit der Wahrheit. Du darfst gerne lachen und mich für verrückt erklären. Das tue ich auch.
Um das Ganze nicht zu langweilig werden zu lassen, gehe ich folgendermaßen vor:
Ich schreibe immer im Wechsel eine Anekdote (diese ohne beachtung von groß- und kleinschreibung oder fehlerkorrektur, ganz "authentisch") und etwas zur "Chronik" (natürlich in neuer deutscher Rechtschreibung) meiner Laborarbeit.
Nicht einschlafen - eyes wide open!
...meine betreuerin in spee sitz mir gegenüber und stellt mir das thema vor: "ich arbeite an x mit y und verwende hierzu z, wobei q und p nie außer acht gelassen werden dürfen und auch andere variablen wie s und t beachtet werden müssen. ihre aufgabe wird es sein, sich dem mysterium r zu nähern, es zu genauestens zu analysieren, quantifizieren und qualifizieren. hierzu sind die methoden v und w angedacht. weitere verfahren nenne ich ihnen bei gelegenheit. zu aller erst ..." - ah ja, ich hab nichts verstanden, aber es war lustig, ihnen zuzusehen, wie sich ihr mund bewegt hat. aber mal ganz ehrlich: ich hab keinen blassen schimmer!!! klingt aber intelligent, wichtig, fortschrittlich, sowie aufwendig, weltverändernd, als auch mitreißend, innovativ und spekulativ! einfach nur spannend! das ist perfekt für mich! - so kam die jungfrau zum kinde. was ich sagen will: nachdem ich nun, nach etwa 1,5 monaten arbeit, in etwa weiß, was ich also erforschen werde, kann ich mit bestem wissen und gewissen sagen: worauf hab ich mich da eingelassen?! ich hatte ja keine ahnung von tuten und blasen, als ich dazu ja gesagt habe. das zweite was nun noch für mich wichtig ist: schwein gehabt! auch ein blindes huhn findet mal ein korn
da hab ich echt ein gutes promotionsthema erwischt!
Am 15. August stand ich das erste mal im voller Montur im Forschungslabor und ich sage dir: Das war toll! Denk einfach an das Gefühl beim Warten in der Schlange zur Achterbahn.
"zur vorbereitung lesen sie einfach einige von meinen papers. dann kommen sie ein bisschen in die materie..." - ja, ganz einfach...ich hab ja auch schon einen abschluss in biologie, biochemie und virologie. was soll mir da noch passieren? ich les' die paar publikationen mit links...oder mit rechts...oder doch mit beiden augen? gott, das ist ja alles englisch! und alles so fachlich und exakt und kompliziert! wer brauch noch romane, wenn es doch pubmed gibt?!
An den ersten zwei Tagen habe ich überall nur zugeguckt und konnte den meisten Arbeitsschritten nur mit Mühe und Not folgen. Am dritten hieß es dann: "Das hast du ja nun schonmal gesehen. Mach doch mal!" Wer? Ich? Steht gerade jemand hinter mir, der gemeint sein könnte? Ich hab doch keine Ahnung, wie das geht! Erste wichtige Lektion: Fragen, fragen, fragen!
meine eigene mediumbox im kühlschrank - das war bisher einer der schönsten momente für mich. die sicherheit, dass nun etwas hier nur für mich bestimmt ist. nur für meine arbeit, meine doktorarbeit! auf der vorderseite hat jemand liebevoll von hand meinen namen draufgeschrieben und mehrere fläschen für mich hinein gestellt - was für ein präsentkorb! da wurd mir warm um's herz 
Die erste Woche endete mit den Worten: "So, tschüss! Ich bin jetzt erstmal so 2 1/2 Wochen im Urlaub. Wir besprechen nachher noch kurz, wie und mit wem du weiter machst und dann sehen wir uns in ein paar Wochen wieder." - Was? Wie jetzt? Urlaub? Was genau heißt das denn? Ist das ein schlechter Scherz? Neeeeeiiiiiinnnn! Bitte verlasssss mich niiiiiicht! - Meine Betreuerin hat mich also erstmal meinem Schicksal überlassen und mich der Labormeute ausgeliefert...aber ich hab mich durchgebissen und schreibe heute das hier 
-
Ich weiß, ich habe zu Beginn meines heutigen Eintrags die zwei Gedanken von schlimm und schlimmer vorgejault, aber dazu kann ich noch nicht kommen. Bitte um Nachsehen. Ich werd's auflösen - versprochen!
#4 Manu
12.10.2011 09:26
#3 Anonym
12.10.2011 09:25
#2 Oliver
10.10.2011 13:46
#1 Manu
06.10.2011 15:25