Ich bin Klempner von Beruf...

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Wand der Eitelkeiten

UroDoc  vLine  09. August 2011 10:42   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 

Wer in den U.S.A einen Arzt aufsucht, der wird in seinem Sprechzimmer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Wand finden, an der aufwendig gerahmt die College- und Universitäs-Diplome, Facharztzeugnisse, Mitgliedsurkunden von Fachgesellschaften und Ähnliches zur Schau gestellt werden. Und man muss sagen, das Diplom einer Medical School macht optisch deutlich mehr her als ein Deutsches Staatsexamenszeugnis. Man bezeichnet diese Wand als "vanity wall".

 

Neuerdings gibt es etwas vergleichbares in Deutschen Krankenhäusern: Dort hängen die diversen Zertifikate, die Klinik und Fachabteilungen mühsam und teuer erworben haben (z.B. Qualitätsmanagement, Fachzentren etc.). Man verspricht sich davon natürlich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den anderen Häusern der Region. Dieser ist jedoch in der regel nur von kurzer Dauer. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die benachbarten Kliniken unter dem Konkurenzdruck schnell nachziehen und sich ebenfalls zertifizieren lassen.

 

Die Vorteile für den einzelnen Patienten sind fraglich...

 
 

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#4 Freya Matthiessen    26.08.2011 22:48

@ [Dr. Thomas Georg Schätzler:] In meiner Praxis hängen im Therapieraum..., selbstverständlich meine aktuellen Fortbildungsbescheinigungen, die Zertifikate der KVen und Ärztekammern, wo ich meine Punkte sammeln und aktualisiertes Wissen nachweisen muss. Ende des Zitats. Man erwirbt Fortbildungs-Punkte, indem man in Veranstaltungen SITZT. Manchmal muss der Punktesammelverpflichtete wegen (Sitzplatz-) Mangels auch stehen,vor allem wenn er später eingetroffen ist, aber er steht nur solange, bis jemand vorzeitig den Raum verlässt - mit einer Teilnahmebescheinigung, die schon vor der Veranstaltung ausgelegen hat, und in die er noch seinen Namen in die entsprechende Lücke eintragen muss (besser: darf). Ein (inhaltlicher) Leistungsnachweis wird nicht gefordert. Es ist doch selten nicht einmal Zeit für Fragen. Den Leistungsnachweis per Beantwortung von Multiple Choice Fragen bei der Online-Fortbildung kann man durch Spicken erbringen, immerhin! - Oder im Team. Haben Sie nie erlebt, dass ein bedauernswerter, nachtdienstübermüdeter, noch weißbekittelter Mitmensch während des Vortrags geschnarcht hat? Ein anderer seine Hausaufgaben auf seinem Laptop erledigte? Wann sonst, wenn er lange Strecken zum und vom Veranstaltungsort zurücklegen muss? --- Niemandem wird der Wandschmuck verweigert. Sie können versichert sein, Herr Dr. Schätzler, dass ich Ihre Leistung und die anderer Ärzte nicht anzweifeln will. Aber, was die Wände von Arztpraxen gelegentlich schmückt, sind zunächst einmal PUNKTE. Freya Matthiessen

#3 Helmut Müller    12.08.2011 10:52

Hintergrund dieses "Zertifizierungswahns" ist, dass die Spitzenverbände der Krankenkassen schon vor einigen Jahren ganz klar zum Ausdruck gebracht haben, dass sie in naher Zukunft am liebsten selektionierte Verträge mit einzelnen Kliniken abschließen möchten und hierbei natürlich zertifizierte Häuser (Qualitätskriterium) bevorzugen würden. Und so läuft sie halt, die Zertifizierzungswelle und sorgt zumindest bei den zig verschiedenen Zertifizierungsunternehmen für Vollbeschäftigung. Wie sprach doch neulich ein Chefarzt : Nicht die Politik mit ihren Vorgaben und Gesetzen ist für den explodierenden Bürokratismus an deutschen Kliniken verantwortlich, sondern das sind die Häuser selbst mit hunderten von neuen Arbeits- und Dienstanweisungen im Vorfeld der Zertifizierung" Recht hat er, der Herr Chefarzt.

#2 UroDoc    10.08.2011 07:46

"Vanity wall" ist in den USA eine gängige Bezeichnung für dieses Infotainment, wie der Vorredner es nennt.

#1 Thomas Georg Schätzler    09.08.2011 18:58

KEINE FALSCHE BESCHEIDENHEIT! Ich weiß nicht, lieber Kollege Urodoc, ob Sie immer Ihr Licht unter den Scheffel stellen? Bei Ihren Beiträgen unter "Ich bin Klempner von Beruf", Ein Urologen-Blog, wirken Sie sehr selbstbewusst und vollkommen von sich überzeugt. In meiner Praxis hängen im Therapieraum, wo alle Patienten-Basisdaten erhoben werden, selbstverständlich meine aktuellen Fortbildungsbescheinigungen, die Zertifikate der KVen und Ärztekammern, wo ich meine Punkte sammeln und aktualisiertes Wissen nachweisen muss. Meine Promotionsurkunde, PRI+MED-Club, Who-is-Who, offizielles Fortbildungszertifikat der KVWL, KV-Qualitätssicherung, Praxisfortbildungen meiner Mitarbeiterinnen, Ergebnisse der QM-Patientenbefragung (Note 1,5). Mit meinem Zertifikat des "Royal College of Physicians" erleichtere ich Patienten, die nur Englisch sprechen, den Zugang. Das ist keine "vanity wall" sondern Praxis-"Infotainement", wie auch aktualisierte Praxisinfos mit z. T. eigenen Fach- und Lokalzeitungsartikeln, die meine Patienten/-innen interessieren. Mf+kG

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