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Hochpotenz-Homöopathika: Herstellung und Wirkung

Martin Lambeck  vLine  19. Juli 2010 12:13   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 

Den Diskussionen über die Homöopathie möchte ich zwei Aspekte hinzufügen, einen physikalischen und einen medizinischen.

1. Physikalischer Aspekt

Betrachten wir das häufig verwendete Homöopathikum Belladonna D30; Belladonna heißt auf deutsch
Tollkirsche. Das D kommt vom lateinischen Wort für 10. D30 heißt also, dass 30 mal 1:10 verdünnt wurde.

 Diese Verdünnung entspricht dem Auflösen eines Zuckerstückchens in einer Wassermenge, die in tausend Erdkugeln Platz hat. Vergleichen Sie das Becken, in dem Gläser gespült werden, mit dem Volumen von tausend Erdkugeln, dann verstehen Sie meinen Satz:

In keinem Restaurant wird Ihr Glas von den Spuren des vorigen Getränks und des vorigen Trinkers so perfekt befreit wie ein Fläschchen Belladonna D30 von Belladonna. Wo Belladonna D30 draufsteht, ist kein Belladonna drin.

Wichtig für die Homöopathie sind die Präparate in der Potenz C30, weil nach Hahnemann (§128 Organon) damit die Arzneimittelbilder festgestellt werden. Diese Arzneimittelbilder sind die Grundlage der homöopathischen Therapie. Die Homöopathie steht und fällt also mit der Herstellbarkeit und Wirksamkeit der C30 – Präparate. Das C kommt vom lateinischen Wort für 100. C30 heißt, dass 30 mal 1:100 verdünnt wurde. Hier reicht nicht mehr das Wasser in Erdkugeln, hier kann man nur noch mit Milliarden von Galaxien rechnen. Nachdem wir wissen, dass in einem Hochpotenzhomöopathikum „nichts drin“ ist, stelle ich die umgekehrte Frage: „Was ist drin?“ Was drin ist, sagt das Homöopathische Arzneibuch. Es schreibt vor, dass zum Potenzieren, also Verdünnen mit dazwischen geschaltetem Schütteln, „gereinigtes Wasser“ und „Alkohol“ zu verwenden ist. Wasser und Alkohol sind aber keineswegs völlig reine Substanzen. In manchen Gebieten enthält Wasser Kalk, in anderen Eisen. Der Alkohol enthält unterschiedliche Nebenbestandteile, je nachdem, ob er aus Roggen, Kartoffeln, Mais, Zuckerrohr usw. hergestellt wurde. Diese Nebenbestandteile werden mitpotenziert. Wie viel Nebenbestandteile enthalten sein dürfen, sagt uns das Europäische Arzneibuch. [1] Beim „gereinigten Wasser“  darf der Verdampfungsrückstand je 100 ml 1 mg betragen. Das entspricht D5. Außerdem darf gereinigtes Wasser je ml 100 Mikroorganismen enthalten. Beim Alkohol beträgt der erlaubte Verdampfungsrückstand 2,5 mg je 100 ml. Dazu kommen die flüchtigen Bestandteile. Das Europäische Arzneibuch geht davon aus, dass der Alkohol 16 Nebenbestandteile enthält. Insgesamt darf die Summe der flüchtigen Bestandteile 300 ppm betragen. Das ist mehr als D4.  Das ist kein billiger Schnaps, sondern der Apotheker-Alkohol, mit dem die Homöopathika hergestellt werden. Der Hersteller wird als Wasser bzw. Alkohol immer die Produkte verwenden, die jeweils am billigsten verfügbar sind. Je nach Marktlage ergeben sich so z.B. „Eisen in Kartoffel“ mit Mikroorganismen aus der Spree oder „Kalk in Zuckerrohr“ mit Mikroorganismen aus der Donau.  Es entstehen also zwei völlig unterschiedliche Präparate, die nur zwei Dinge gemeinsam haben. Es steht Belladonna drauf. Es ist kein Belladonna drin. Der Alkohol darf 16 Nebenbestandteile enthalten. Ich greife eins heraus, das wir alle kennen, nämlich das hochgiftige Benzol. Der Benzolgehalt darf 2 ppm betragen. Das entspricht D6. 

Denken wir wieder an Belladonna D30. Dieses enthält also 10^24 mal mehr Benzol als Belladonna. Das Hahnemann – Präparat mit C30 entspricht D60. Da ist dann 10^54 mal mehr Benzol drin als der Stoff, der auf dem Etikett angegeben ist.

Daher formuliere ich als falsifizierbare Vermutung meinen homöopathischen Hauptsatz:


Kein Apotheker kann das Hochpotenz – Homöopathikum herstellen, das der Arzt verordnet hat.


Wer mich kritisieren will, muss meinen Hauptsatz widerlegen.

Aus meinem Hauptsatz ergibt sich:

1. Im Hochpotenzbereich kommt es auf den Inhalt der Flasche gar nicht an. Nur das Etikett wirkt auf Arzt und Patient.
2. Alle mit C30 – Präparaten erstellten Arzneimittelbilder und daher auch die darauf beruhenden Therapien sind falsch.

Werden Streukügelchen korrekt nach § 270 Organon hergestellt, sind auch noch die Nebenbestandteile des Milchzuckers und des Fließpapiers enthalten.

Wenn Hahnemann Recht hat, muss die Physik stärker geändert werden als sie durch Planck und Einstein geändert wurde.


2.  Medizinischer Aspekt

 

Ich lasse alle physikalischen Bedenken weg und nehme an, dass die Homöopathen recht haben: Hier ist zwar kein Belladonna als Materie drin, wohl aber die „Schwingung“ des Belladonna. Dann muss diese Schwingung medizinisch auf den Menschen wirken können.

In der naturwissenschaftlich begründeten Medizin nimmt man an, dass die Medikamente auf der molekularen Ebene wirken. Ein Molekül des Medikaments kommt so nahe an die Moleküle des Körpers heran, dass sich die Materiewellen der Moleküle überlappen und so eine Bindung nach dem Schlüssel - Schloss – Prinzip zustande kommt. Man spricht vom „Andocken an einen Rezeptor“.

Beim Homöopathikum muss das anders sein. Die bekannten Rezeptoren können die Schwingungen des Homöopathikums nicht wahrnehmen, weil sie nur auf Materie ansprechen. Der Mensch muss also irgendwelche Wahrnehmungsorgane für diese Schwingungen besitzen. Ich will sie einfach „Sensoren“ nennen. Derartige Sensoren sind der heutigen Medizin unbekannt. Wenn sie existieren, müssen die Lehrbücher „Physiologie des Menschen“ sowie „Pharmakologie und Toxikologie“ neu geschrieben werden und es ist mindestens je ein Nobelpreis für Physik, Chemie und Medizin fällig.

 

Wenn Hahnemann recht hat, muss die Medizin stärker geändert werden als sie durch Semmelweis und Koch geändert wurde.

 

 

[1] Europäisches Arzneibuch 4. Ausgabe. Grundwerk 2002. Ethanol S. 1818 -1821, Wasser S. 3140 – 3142
 

 
 

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#25 Tino Hennig    20.12.2011 10:14

Nachtrag: C15 (D30 - Äquivalent) lässt sich in der Tat auf 1000 Erdkugeln, in denen ein Molekül statistisch nachweisbar wäre, hochrechnen. Könnte also zutreffen, Herr Lambeck. Hätte ich vom Gefühl her nicht gedacht.

#24 Tino Hennig    20.12.2011 01:37

Zunächst einmal eine kritische Anmerkung zur Textur: Eine kleinere Schriftgröße mit sichtbarem Zeilenabstand wäre dem Auge wohl gefälliger gewesen. Alsdann, werter Herr Lambeck, überschätzen Sie C 30 - Verdünnungen, indem Sie in gigagalaktische Dimensionen vordringen. Die "Rechnung" ist schlicht und ergreifend falsch. Punkt zwei Ihrer Argumentation (Medizinischer Aspekt) fehlt es an zwingender Logik. Keine scharfe Munition - sinnbildlich ausgedrückt. Überzeugender und stichhaltiger sind Ihre vorgebrachten Einwände im ersten Punkt. (Physikalischer Aspekt) Umso trauriger finde ich es, dass jegliche Kommentatoren auf diesen konkreten Hinweis nicht eingegangen sind. Mit keinem Wort. Das lässt mich vermuten, dass nicht nur kein Belladonna dort drin ist, wo es draufsteht, sondern dass auch so mancher "Wissenschaftler" nur plakativ Wissenschaft betreibt, in Wirklichkeit aber nur Glaubensbekenntnisse und Ideologien vom Stapel lässt. Der Knackpunkt - Sie haben das richtig erkannt - ist eben der, dass die (in größerer Menge vorhandenen) Begleitsubstanzen "mitpotenziert" werden und die vestärkten Schwingungen der Ursubstanz logischerweise überlagern. Und je höher die Verdünnung, desto deutlicher die Diskrepanz. Hier befindet sich die Homöopathie, möchte sie denn als seriöse Alternativmethode zur Allopathie gelten, in offensichtlicher Erklärungsnot.

#23 Anonym    16.10.2011 05:25

Das überlasse ich meiner tochter

#22 kinderdok    (Homepage)    01.09.2010 22:33

@gabriele da ist mir das n=1 wieder zu wenig. ich habe folgende erfahrung gemacht: a) bin ich vater, und dachte - auch als kinderarzt - musst du jetzt alles mal machen, was die anderen auch so machen - also auch die globuli bei den eigenen kindern (klassiker, arnica etc). schade. hat nicht gewirkt. das pusten über den blauen fleck hingegen schon. b) bin ich kinderarzt und auch mal anfänger und dachte - musst du wohl auch mal homöopathie machen, hab mich belesen (wie soviele "homöopathen" auch) - und das bei meinen patienten eingesetzt. schade. hat nicht gewirkt. also zurück zu wait and see - mit einfachen tees und ruhe. das hat gewirkt. so. meine "n" sind etwas mehr. homöopathie wird immer erfahrungsmedizin bleiben. und deswegen wird auch nie jemand einen nachweis der wirkung bringen können. weil sie keine hat.

#21 Gabriele R. - Apothekerin    27.07.2010 18:33

Lieber Herr Lambeck, Ihr Artikel ist sehr amüsant geschrieben - ich musste wirklich laut lachen! - und noch vor 5 Jahren war ich ganz Ihrer Meinung und habe mich über diese "Pseudomedizin" lustig gemacht. Doch heute beurteile ich die Homöopathie - und v. a. die Homöopathie mit Hochpotenzen - ganz anders! Ich war 35 Jahre lang sehr schlimm mit Neurodermitis behaftet, hatte ferner Heuschnupfen und leichtes Bronchialasthma. Glauben Sie mir ich habe in diesen 35 Jahren viel unternommen, um meine Allergie loszuwerden, doch außer der "Kortisonkeule" hat mir nur die Allergenkarenz geholfen (Als ich 1/4 Jahr im Wüstenklima verbrachte, hatte ich überhaupt keine Allergieprobleme!). Kortison hilft nur solange man es auch nimmt. Setzt man es ab, ist alles wieder beim Alten! In meiner Verzweiflung versuchte ich es nach 3 1/2 Jahrzehnten mit klassischer Homöopathie in Kombination mit Bioresonanztherapie und war mehr als skeptisch!! Fakt ist, dass sich innerhalb von 3 Jahren konsequenter Therapie meine Allergie immer weiter besserte, so dass ich heute nur noch einige wenige Wochen im Sommer leichte Hautirritationen habe und an einigen wenigen Tagen etwas Heuschnupfen. Und was mich als skeptische Pharmazeutin damals ganz unvorbereitet getroffen hatte, war die Erstverschlimmerung, als mein Arzt das richtige Konstitutionsmittel für mich gefunden hatte. Seitdem spreche ich nicht mehr vom Placeboeffekt bei Homöopathika! Ich hoffe, dass Ihnen persönlich meine Erfahrungen erspart bleiben! - Aber auch in der modernen Wissenschaft werden zuerst Erfahrungen mit Hilfe von Versuchen gesammelt, um anschließend das dahinterstehende Wirkprinzip zu ergründen. Vielleicht sind wir in puncto Homöopathie einfach noch nicht so weit.

#20 Jonas L.    23.07.2010 23:52

@ Hr. Noschinski: Da muss ich sie leider enttäuschen, der Spiegelartikel war mir bis zu ihrem Einwand unbekannt. Allerdings bin ich mit Herrn Ernst was das angeht einer Meinung. Wenn sie allerdings einen wissenschaftlichen Beleg für die Wirksamkeit der Homöopathie in ihrer Primärliteratur finden würde ich mich über eine Quellenangabe sehr freuen. Es ist halt ausgemachter Unsinn und das wissen eigentlich fast alle. Ein Nutzen über den Placeboeffekt hinaus konnte bisher meines Wissens nach niemand nachweisen und es ist nicht so als hätte man es nicht ernsthaft versucht. Die Argumentation man hätte es schließlich oft genug selbst beobachtet, oder davon gehört, ist nicht Zielführend.

#19 Dirk-Rüdiger Noschinski    23.07.2010 16:02

@ Jonas L.: Das haben Sie aus dem aktuellen SPIEGEL und dem dortigen Interview mit Edzart Ernst - und es ist nicht korrekt! In einer Diskussion ist es oft besser, sich aus Primärliteratur zu bedienen wenn man mitdiskutiert.

#18 Ludwig Alexander, Dipl. Physiker    23.07.2010 12:44

"Die bekannten Rezeptoren können die Schwingungen des Homöopathikums nicht wahrnehmen," ... "weil sie nur auf Materie ansprechen." Woher wollen wir denn wissen worauf die "bekannten Rezeptoren" ansprechen? Wieso denn "nur auf Materie"? Wo fängt "Materie" an, wo hört sie auf? Was heute unser Verständnis "bekannter Rezeptoren" ist, ist morgen dummer alter Unfug. "Der Mensch muss also" ... "irgendwelche Wahrnehmungsorgane für diese Schwingungen besitzen." Genau, das ist der springende Punkt! Bloß, weil wir etwas nach unserem derzeitigen Wissensstand nicht verstehen, heißt es noch lange nicht, dass es außer dem, was wir heute verstehen, nichts mehr gibt. Ein Regenwurm in der Erde hat seine Wahrnehmung, seinen Wissenshorizont. Was außerhalb des Regenwurm-Wissenshorizonts ist, gibt es für ihn nicht. Wenn wir uns hinstellen und behaupten, dass alles, was außerhalb unseres Menschen-Wissenshorizonts liegt, nicht existiert, sind wir so blöd wie der Regenwurm und maßlos überheblich dazu. Vor 500 Jahren galt als Ketzer, wer gesagt hat, dass die Erde nicht das Zentrum des Universums ist, dass nicht Sonne, Planeten, Sterne und alles sonst um unsere armselige kleine Erde kreisen. Vor 150 Jahren haben sie gesagt, dass Fortbewegung mit größerer Geschwindigkeit als mit der einer Postkutsche für den Menschen auf Dauer unzuträglich ist. Heute soll der armselige gängige Schulmedizin-Murks das Maß aller Dinge sein?

#17 Jonas L.    23.07.2010 12:01

Es geht ja nicht nur darum, dass in den verabreichten Homöopathika keinerlei "Wirkstoff" zu finden ist, sondern es gibt nicht mal eine (1) Studie die eine Wirksamkeit über den Placeboeffekt hinaus nachweist. Da hilft die eigene, subjektive Einschätzung wenig. Der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Heilpraktiker scheint die Fähigkeit das Mittel 'an den Mann' bringen zu können.

#16 Reinhard Rodiger    23.07.2010 11:29

Ich möchte einen dritten Aspekt hinzufügen: den kommerziellen.Wer heilt hat recht wird abgelehnt,also gilt wer nicht heilt hat wirtschaftlich recht.Denn die Behandlung ist dann eben nicht beendet,sondern noch wirtschaftlich wirksam. Sie dauert an.War das neuzeitliche Codewort nicht Gesundheitswirtschaft?Ist Evidenz nicht auch Verkürzung der Sichtweise oder Rationierung?

#15 twister    23.07.2010 11:24

Danke #12, Stefan Gesell! Endlich mal jemand, der die Selbstheilungskräfte des Körpers (von Mensch und Tier) anerkennt und deren Unterstützung durch "einfache" Zuwendung! Und vor allem danke für die kritische Anmerkung zu dem modernen Mega-Trend, bei jedem kleinen Unwohlsein ein Mittelchen zu wollen und zu bekommen. Gerade (Klein-)Kinder werden mit Kügelchen gegen alle Malaisen trefflich in diese Richtung geprägt. Fragt sich, wonach sie greifen, wenn sie dann größer sind und auch die Probleme größer werden...

#14 holuka    23.07.2010 10:07

Ich rate allen notorischen, "wissenschaftlichen" Ungläubigen, nehmen Sie doch einfach mal eine echte Hochpotenz einer Spinne, Schlange oder Ähnlichem. Machen Sie das mit einem guten Fachmann, einer guten Fachfrau zusammen damit Sie, nur für den Fall, dass Sie ja doch eine spürbare Reaktion haben, auch ein adäquates Antidot erhalten. Viel Erfolg, und - es gibt vieles auf Erden für das wir eben keine "wissenschaftlichen" Erklärungen haben weshalb es aber nicht weniger existent ist. Heilpraktikerin und Informationsmedizinerin.

#13 Dirk-Rüdiger Noschinski    23.07.2010 10:06

@ Stefan Gesell: Ich sehe leider eher, dass die Kinder bei jedem bakteriellen Infekt gleich eine Antibiose bekommen. Das ist zugegebenermaßen in den letzten Jahren besser geworden, findet nach meiner Beobachtung aber immer noch zu häufig statt. Ein zweiter Aspekt: Ich sehe immer mehr Kinder, deren Immunsystem mit akuten Erkrankungen gar nicht mehr umgehen kann und die sich dann von Infektrezidiv zu Infektrezidiv schleppen. Gar nichts tun kann tatsächlich manchmal die bessere Lösung sein, in der Praxis sehe ich aber immer häufiger Handlungsbedarf.

#12 Stefan Gesell    23.07.2010 09:29

@#11 Herbert Olyschlaeger Schlimm ist, dass schon kleine Kinder mit den Kügelchen und Tröpfchen behandelt werden. Dabei werden die Kinder schon früh konditioniert, bei jeder Kleinigkeit ein Kügelchen usw. zu nehmen. Hoffentlich werden nicht irgendwann Tabletten daraus. Warum muss ein Kind (mit Homöopathika) behandelt werden? Wann? Wenn es mal etwas Fieber hat? Etwas Husten? Schnupfen? Würde ein: "Bald ist es wieder gut", mit voller Überzeugung gesagt, nicht auch reichen? Diese Überzeugung, dass es wieder besser wird, ist auch begründet, weil die Kinder solche Kleinigkeiten schnell wieder los sind, ohne Kügelchen, Tröpfchen, Tabletten. Ruhe und Zuwendung würden reichen. Dazu ist in unserer Luxusgesellschaft aber keine Zeit, weshalb wir eben mit Luxus- und Selbstverwirklichungsmittelchen (Homöopathika) behandeln. Und wenn es ernst wird, wird keiner, auch Sie nicht, das Kind mit Homöopathika behandeln, sondern mit wirksamen und lebensrettenden (Notfall-)Medikamenten.

#11 Herbert Olyschlaeger    23.07.2010 07:39

Sehr geehrter Herr Lambeck, eine Hypothese hält nur so lange wie es eine andere gibt. Ich hab noch in der Schule gelernt " ein Atom ist das kleinste Teilchen eines Elementes"...und die Bücher sind auch umgeschrieben worden. Meine Tochter (heute 7 Jahre alt) habe ich nur homöophatisch behandelt während andere Kinder in ihrem Alter schon antibiotisch vollgestopft sind und vom Alter 1-5 konnte sie noch keine Etiketten lesen. "Wer heilt hat Recht" ....das ist mein Hauptsatz und es werde noch viele Bücher umgeschrieben. Mit freundlichen Grüßen H. Olyschlaeger ( Heilpraktiker)

#10 hebamme    22.07.2010 23:19

Für mich ist es nicht immer einfach, das richtige Mittel für eine Beschwerde zu finden. Und da es nicht nur mir so geht, macht es den wissenschaftlichen Nachweis für die Wirksamkeit der Hömöopathie auch so schwierig. Ich habe aber auch immer wieder mal das Glück, in Akut-Situationen, das passende Mittel auszuwählen. Es ist dann einfach veblüffend und faszinierend, wie prompt und eindrucksvoll Heilung einsetzt. Wie Schmerzzustände, sich innerhalb von wenigen Minuten einfach auflösen. Definitiv muss Mensch auch nicht daran glauben. Homöopathie ist keine Zauberei, sondern Mobilisation von Selbstheilungskräften - und eine ernst zunehmende "Wissenschaft" für sich.

#9 Sabine Kierdorf    (Homepage)    22.07.2010 23:19

Ach ja, die alten Diskussionen. Mittlerweile sind sie langweilig. Es gibt viele schulmedizinische Anwendungen mit fraglichen Erfolgen, die von Kassen bezahlt werden, wodurch ihre Qualität nicht besser wird. Es gibt erfolgreiche naturheilkundliche Anwendungen, die nicht bezahlt werden, weswegen sie nicht schlechter sind. Es gibt qualitativ sehr gute Ärzte und es gibt extrem schlechte, denen keiner das Handwerk legt. Es gibt gute Homöopathen, die ihr Handwerk verstehen und schlechte, die dem Ansehen schaden, und es gibt eine Menge Schulmediziner, die Kurzseminare machen weil es "in" ist, dann die Homöopathie anwenden und aufgrund einer mangelnden Ausbildung keine Erfolge erzielen, was dann natürlich der Homöopathie zugeschrieben wird. Homöopathie ist kein Wirtschaftsfaktor, es ist nicht viel Geld mit ihr zu verdienen und deshalb darf sie für die Industrie auch nicht sein, auch wenn sie erfolgreich ist, sondern sie muß kleingeredet werden, denn sonst hätten so einige wesentlich kostspieligere schulmedizinische Anwendungen ja keine Existenzberechtigung mehr und würden vielleicht nicht mehr von der Kasse bezahlt. Schlimm wird es dann, wenn mit einfachen homöopathischen Mitteln Erfolge erzielt werden, die die Schulmedizin nur mit aufwendigen Therapien schafft oder auch nicht geschafft hat bei austherapierten Patienten. Beispiele kennen wir persönlich unendlich viele bei Menschen und Tieren.

#8 thomas    22.07.2010 19:43

Ich finde es sehr schade, dass die Homöopathie nicht ernst genommen wird. Hahnemann: Ähnliches mit ähnlichem behandeln. Denken Sie mal daran Herr Prof. Dr. Lambeck. Sie mögen älter sein vieles erlebt, doch sollten Sie in Ihrem Alter Grenzgebiete erweitern.

#7 Dirk-Rüdiger Noschinski    22.07.2010 17:42

Sie erwähnen ja Semmelweis. Der hatte beobachtet, dass es eine gute Idee ist, wenn sich der Arzt vor der Entbindung der Patientin die Hände wäscht. Unter dieser Ägide kam es kaum noch zu Fällen von Kindbettfieber. Dummerweise konnte all dies nur empirisch festgestellt werden, Semmelweis Theorie von einer Krankheitsübertragung durch etwas Stoffliches an den Händen der Ärzte kollidierte mit so ziemlich allen wissenschaftlichen Modellen seiner Zeit. Die empirisch hundertfach beobachtete Vermeidung einer tödlichen Erkrankung, das ganze Leid, das verhindert wurde, zählte leider nicht im Wissenschaftsmodell der damaligen Zeit. Semmelweis wurde von den brillantesten und hervorragendsten Wissenschaftlern seiner Zeit als Scharlatan und Dummkopf "entlarvt" und starb völlig verbittert im Irrenhaus. Erst die Entdeckungen von Robert Koch rehabilitierten Semmelweis und führten endlich dazu, das der vermeidbare Tod zigtausender Frauen wirkungsvoll verhindert werden konnte. Ich bitte alle die hier Schreibenden, hellen Köpfe, rational denkenden Wissenschaftler, promovierte oder gar habiliterte Gesundheitsexperten mal darüber nachzudenken... Vielen Dank!

#6 Wolfgang Birringer    22.07.2010 17:05

Ich kann nicht verstehen, dass im Zeitalter der Informationstechnologien so viele gescheite Leute Schwierigkeiten mit der Homöopathie haben. Nehmen Sie eine Fotografie einer Landschaft: Wald, Wiese, Häuser, Sonne, Wolken usw. usw.. Wenn ich von dem Foto etwas abschabe und chemisch untersuche werde ich kein einziges Atom, geschweige denn ein Molekül von den Objekten der Landschaft finden. Bin ich also ein Fantast, wenn ich behaupte, das Foto zeige eine Landschaft? Es ist ganz einfach der falsche Untersuchungsansatz, der von den Gegnern der Homöopathie angewandt wird. Man solle doch mal versuchen, auf Grund chemischer Analysen festzustellen, ob auf einem Tonband Mozart oder Rockmusik gespeichert ist. Was den Plazeboeffekt anbelangt: Wenn man ihn bei "handfesten" chemischen Arzneimitteln wegrechnet, bleibt auch nicht mehr viel übrig.

#5 plazebo    (Homepage)    22.07.2010 16:00

@ Haribo 55 wie kommen Sie drauf, dass es keinen Placeboeffekt bei Tieren und Kleinkindern geben sollte? Hier ein paar Studien, die gezeigt haben, dass es den bei Tieren sehr wohl geben kann. http://www.scienceblogs.de/plazeboalarm/2010/07/bei-tieren-gibt-es-keinen-placeboeffekt.php

#4 Swantje    22.07.2010 15:44

Das Argument, dass Homöopathie wirksam sein muss, da es bei Kindern und Tieren wirke wird ja gerne von Befürwortern dieser Thrapie benutzt. Ähnlich wie: wer heilt hat Recht, oder bei meiner Familie, meinen Patienten hilft es so gut. Dr Placebo-Effekt ist allerdings auf Tiere und Kinder übertragbar. Das erklärt die Wirkung. Es spricht ja nicht dagegen sich den Placeboeffekt zu nutze zu machen, aber man sollte dann eine eventuelle Linderung/Heilung nicht als Beweis der Wirksamkeit verkaufen. n=1 ist eben nicht statistisch signifikant und solange keine RCTs den Nutzen von Homöopathie belegen, kann diese Therapie nicht als Kassenleistung bezahlt werden. Entweder man will evidenzbasierte Medizin, oder nicht. Dann kann man aber auch gleich Edelsteintherapie oder sonstige dubieuse Therapien finanzieren.

#3 Haribo55    22.07.2010 13:35

Es ist schon öfters gesagt worden, dass bei homöopathischen Hochpotenzen is nicht um den Wirkstoff an sich geht. Eher um "Imformationsübertragung". Alles auf Plazebo zu schieben is m.E. falsch. Wie erklärt man sonst die Wirkung bei Tiere und Kleinkinder?

#2 uschimotzer    22.07.2010 10:21

Vor vielen Jahren wurde "wissenschaftlich" postuliert, die Erde sei eine Scheibe. Wer das Gegenteil behauptete, wurde als Ketzer verbrannt. Heute lachen wir darüber... Es fehlten der "Wissenschaft" damals die adäquaten Methoden. Worüber lachen unsere Nachfahren in 100 Jahren, was können wir heute nicht wahrnehmen, weil uns die Methodik nicht bekannt ist ? Ich persönlich halte sehr viel von der klassischen Homöopathie - immer vorausgesetzt, sie wird verantwortungsvoll und kompetent angewendet. Obwohl ich ein naturwissenschaftliches Studium abgeschlossen habe, liegt es mir fern, etwas zu veteufeln, nur weil ich es mit meiner heutigen Wahrnehmung nicht fassen kann, und weil es sich nicht in Tabellen und Statistiken pressen lässt.

#1 der andere Hausarzt    (Homepage)    19.07.2010 13:23

Besser kann man den Sachverhalt aus naturwissenschaftlich-medizinischer Sicht nicht zusammenfassen. Es geht um Glauben, nicht um Wissen. Das muss jedem klar sein. Mein Frage: Gäbe man sich auf anderen Gebieten auch mit dem Glauben zufrieden? Reichen uns Weltanschauungen, wenn es um Handy-Strahlung geht, um AKW-Einflüsse auf die Umgebung, um Entstehung von Krebs, um Zusammenhänge von Tiernahrung auf Fleischprodukte und, und, und. Da wollen wir (zu Recht) alles ganz genau wissen. Warum gibt sich der Mensch mit dem Glauben an die Homöopathie zufrieden?

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