Martin Lambeck
19. Juli 2010 12:13
Den Diskussionen über die Homöopathie möchte ich zwei Aspekte hinzufügen, einen physikalischen und einen medizinischen.
1. Physikalischer Aspekt
Betrachten wir das häufig verwendete Homöopathikum Belladonna D30; Belladonna heißt auf deutsch Tollkirsche. Das D kommt vom lateinischen Wort für 10. D30 heißt also, dass 30 mal 1:10 verdünnt wurde.
Diese Verdünnung entspricht dem Auflösen eines Zuckerstückchens in einer Wassermenge, die in tausend Erdkugeln Platz hat. Vergleichen Sie das Becken, in dem Gläser gespült werden, mit dem Volumen von tausend Erdkugeln, dann verstehen Sie meinen Satz:
In keinem Restaurant wird Ihr Glas von den Spuren des vorigen Getränks und des vorigen Trinkers so perfekt befreit wie ein Fläschchen Belladonna D30 von Belladonna. Wo Belladonna D30 draufsteht, ist kein Belladonna drin.
Wichtig für die Homöopathie sind die Präparate in der Potenz C30, weil nach Hahnemann (§128 Organon) damit die Arzneimittelbilder festgestellt werden. Diese Arzneimittelbilder sind die Grundlage der homöopathischen Therapie. Die Homöopathie steht und fällt also mit der Herstellbarkeit und Wirksamkeit der C30 – Präparate. Das C kommt vom lateinischen Wort für 100. C30 heißt, dass 30 mal 1:100 verdünnt wurde. Hier reicht nicht mehr das Wasser in Erdkugeln, hier kann man nur noch mit Milliarden von Galaxien rechnen. Nachdem wir wissen, dass in einem Hochpotenzhomöopathikum „nichts drin“ ist, stelle ich die umgekehrte Frage: „Was ist drin?“ Was drin ist, sagt das Homöopathische Arzneibuch. Es schreibt vor, dass zum Potenzieren, also Verdünnen mit dazwischen geschaltetem Schütteln, „gereinigtes Wasser“ und „Alkohol“ zu verwenden ist. Wasser und Alkohol sind aber keineswegs völlig reine Substanzen. In manchen Gebieten enthält Wasser Kalk, in anderen Eisen. Der Alkohol enthält unterschiedliche Nebenbestandteile, je nachdem, ob er aus Roggen, Kartoffeln, Mais, Zuckerrohr usw. hergestellt wurde. Diese Nebenbestandteile werden mitpotenziert. Wie viel Nebenbestandteile enthalten sein dürfen, sagt uns das Europäische Arzneibuch. [1] Beim „gereinigten Wasser“ darf der Verdampfungsrückstand je 100 ml 1 mg betragen. Das entspricht D5. Außerdem darf gereinigtes Wasser je ml 100 Mikroorganismen enthalten. Beim Alkohol beträgt der erlaubte Verdampfungsrückstand 2,5 mg je 100 ml. Dazu kommen die flüchtigen Bestandteile. Das Europäische Arzneibuch geht davon aus, dass der Alkohol 16 Nebenbestandteile enthält. Insgesamt darf die Summe der flüchtigen Bestandteile 300 ppm betragen. Das ist mehr als D4. Das ist kein billiger Schnaps, sondern der Apotheker-Alkohol, mit dem die Homöopathika hergestellt werden. Der Hersteller wird als Wasser bzw. Alkohol immer die Produkte verwenden, die jeweils am billigsten verfügbar sind. Je nach Marktlage ergeben sich so z.B. „Eisen in Kartoffel“ mit Mikroorganismen aus der Spree oder „Kalk in Zuckerrohr“ mit Mikroorganismen aus der Donau. Es entstehen also zwei völlig unterschiedliche Präparate, die nur zwei Dinge gemeinsam haben. Es steht Belladonna drauf. Es ist kein Belladonna drin. Der Alkohol darf 16 Nebenbestandteile enthalten. Ich greife eins heraus, das wir alle kennen, nämlich das hochgiftige Benzol. Der Benzolgehalt darf 2 ppm betragen. Das entspricht D6.
Denken wir wieder an Belladonna D30. Dieses enthält also 10^24 mal mehr Benzol als Belladonna. Das Hahnemann – Präparat mit C30 entspricht D60. Da ist dann 10^54 mal mehr Benzol drin als der Stoff, der auf dem Etikett angegeben ist.
Daher formuliere ich als falsifizierbare Vermutung meinen homöopathischen Hauptsatz:
Ich lasse alle physikalischen Bedenken weg und nehme an, dass die Homöopathen recht haben: Hier ist zwar kein Belladonna als Materie drin, wohl aber die „Schwingung“ des Belladonna. Dann muss diese Schwingung medizinisch auf den Menschen wirken können.
In der naturwissenschaftlich begründeten Medizin nimmt man an, dass die Medikamente auf der molekularen Ebene wirken. Ein Molekül des Medikaments kommt so nahe an die Moleküle des Körpers heran, dass sich die Materiewellen der Moleküle überlappen und so eine Bindung nach dem Schlüssel - Schloss – Prinzip zustande kommt. Man spricht vom „Andocken an einen Rezeptor“.
Beim Homöopathikum muss das anders sein. Die bekannten Rezeptoren können die Schwingungen des Homöopathikums nicht wahrnehmen, weil sie nur auf Materie ansprechen. Der Mensch muss also irgendwelche Wahrnehmungsorgane für diese Schwingungen besitzen. Ich will sie einfach „Sensoren“ nennen. Derartige Sensoren sind der heutigen Medizin unbekannt. Wenn sie existieren, müssen die Lehrbücher „Physiologie des Menschen“ sowie „Pharmakologie und Toxikologie“ neu geschrieben werden und es ist mindestens je ein Nobelpreis für Physik, Chemie und Medizin fällig.
Wenn Hahnemann recht hat, muss die Medizin stärker geändert werden als sie durch Semmelweis und Koch geändert wurde.
[1] Europäisches Arzneibuch 4. Ausgabe. Grundwerk 2002. Ethanol S. 1818 -1821, Wasser S. 3140 – 3142
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