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Krank durch Diagnose 4 Ein Fazit

Der andere Hausarzt  vLine  16. April 2010 16:12   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 

Im letzten Artikel dieser Reihe wurden die Gefahren einer Jagd nach der Diagnose anhand des Symptoms Schwindel ausführlich dargestellt. Der Schwindel stand dabei als Teil des Ganzen. Gefahren wurden aufgezeigt, die heutzutage möglicherweise größer sind als die Gefahren, die vom Symptom selbst ausgehen. Sehr selten steckt beispielsweise hinter dem Symptom Schwindel eine gefährliche Erkrankung, ebenso wenig wie hinter dem Symptom Rückenschmerz oder hinter dem Gefühl von allgemeiner Schwäche und anderes mehr. Hier kann nur ein Arzt mit Augenmaß helfen, der einerseits schwerwiegende Krankheiten nicht übersieht, andererseits der Natur eine Chance gibt, das Symptom von allein verschwinden zu lassen. Hierin lag meines Erachtens schon immer eine der wichtigsten Aufgaben des Hausarztes, und liegt sie besonders in diesen und in kommenden Zeiten.

An dieser Stelle sei eine kleine Auswahl an Therapiemöglichkeiten des Schwindels genannt. Anspruch auf Vollständigkeit besteht genauso wenig, wie Anspruch auf Therapieerfolg:
Tabletten und Tropfen verschiedener Art, Spritzen, Infusionen, Massage, Krankengymnastik, Akupunktur, Zahnsanierung, Lagerungsmanöver, Ernährungsumstellung, Psychotherapie, operative Eingriffe verschiedener Art, von der Operation am Ohr bis hin zur Sanierung der Halsschlagadern. Die Naturheilkunde und die Homöopathie mit ihren speziellen Behandlungskonzepten kommen hinzu.
Zurückhaltung ist ratsam
Viele Ärzte und Therapeuten bieten die einzig wahre Lösung des Problems und das einzig wahre Behandlungskonzept. Wenige können zugeben, dass nicht für jedes Symptom eine Therapiemöglichkeit besteht. Auf der anderen Seite können nur wenige Patienten eine ehrliche Antwort des Arztes vertragen, wenn der früher oder später zugibt, dass eine Erfolg versprechende Therapie nicht existiert, oder wenn er auf der Psychosomatik des Symptoms besteht.
Beliebte Schrotschusstechnik
Eine komplette Diagnostik ist modern geworden, weil der Arzt mit ihr auf der sicheren Seite zu stehen scheint. Wer streuend schießt, landet irgendwann einen Treffer. Ein Arzt, der immer alles bis zum Letzten untersucht, muss sich nicht dem Vorwurf der fehlenden Gründlichkeit aussetzen. Aber mit Sorgfalt hat das nicht immer zu tun. Sorgfalt dem Patienten gegenüber berücksichtigt auch dessen Ängste, die oft durch bedeutungslose Untersuchungsergebnisse ausgelöst werden.
Bandscheibenvorwölbungen, minimale Herzklappenveränderungen, unbedeutende Gefäßverengungen oder -erweiterungen, ungefährliche Zysten in Leber oder Nieren, grenzwertig veränderte Blutwerte, all das sind Dinge, die Ärzte ein müdes Lächeln kosten, mit denen sich der Patient aber möglicherweise monate- und jahrelang herumplagt. Ein psychischer Schaden ist schnell gesetzt.
Wegweiser durch die Medizin
Für den Patienten den Pfad im Dschungel der Medizin zu finden, zwischen Schaden durch Überversorgung und Schaden durch Unterlassung, das ist die wahre ärztliche Kunst. Zur Ausübung und Erlangung dieser Kunst brauchen die Ärzte Verbündete. Der wichtigste Verbündete sollte der Patient sein. Der moderne Patient muss wissen, was er tut, wenn er auf einer hundertprozentigen medizinischen Versorgung besteht. Wer diese verlangt, bekommt sie womöglich auch, mit all ihren Folgen.
Wichtig ist, dass in einem vertrauensvollen Patienten-Arzt-Verhältnis der Schluss zulässig ist: Wir warten ab. Möglicherweise mit wenig Untersuchung und ohne spezielle Therapie. Ein solches Fazit ist in diesen Zeiten bereits ungewöhnlich, in Zukunft wird es zur Rarität werden.

 
 

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#3 Fredi Werder    19.05.2010 15:09

Ein kleiner Teil der Angststrategien der Schulmedizin! Wo bleibt eigentlich der Nachweis von krankmachenden Viren? Jeder der Biologie seriös studiert, kann diese Aussage unmöglich stützen. Warum wird dieses Thema totgeschwiegen? Angst? vor was?

#2 thiemecke    21.04.2010 11:11

Es ist eine tolle Auflistung der tagtäglich in der Naturheilpraxis auftretenden Schwierigkiten. Man sollte ein Buch schreiben von den einzelnen Patientenschicksalen in der Schulmedizin. Wobei ich wahrhaftig nicht alles schlechtreden möchte. Aber ich empfehle den Patienten: Machen Sie es wie beim Autokauf. Dort werden oft meher als 3 Autohäuser verglichen, alles abgewogen und dann erst gekauft. Bei der Gesundheit sollte immer ein 2. oder 3. Meinung eingeholt werden, bevor ein Skalpell wetzen lässt oder einen Dornenweg von internen Sgiegelungen (Coloskopie/Gastroskopie) beschreitet. Das Geschäft mit der Angst-und Panikmache ist entsetzlich. Bitte informieren Sie weiter so gut. MfG S. Thiemecke, HP

#1 Thomas Schmitz    21.04.2010 07:47

Neben mitunter fahrlässigen Äußerungen untersuchender Ärzte, haben wir heute noch den "Fluch" des Internets. Hier "informieren" sich viele Patienten, nachdem sie eine fragwürdige Verdachtsdiagnose bekommen haben. Daraus entstehen mitunter dramatische Beurteilungen einer an sich leichten Erkrankung. Im Übrigen stelle ich nahezu täglich fest, dass auch die Aussage "Sie haben nichts" zu massiven Verunsicherungen führen kann. Einfühlungsvermögen sollte Vorraussetzung für die Arbeit am Menschen sein.

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