Rolf Michael Domdey
08. Dezember 2009 18:06
Eine schöne Meditation finde ich. Invidia z.B. ist mir nahezu fremd. Aber Gula ... da hat der Kandidat doch den einen oder anderen Treffer
Überprüfe dich selbst – egal ob gläubig oder nicht – in wie weit diese Punkte auf dich selber zutreffen und in wie weit nicht! Wer für sich keinen Geiz kennt, dann vielleicht die Trägheit? Es geht hier nicht um richtig oder falsch, sondern darum was deine eigene Person tatsächlich ausmacht und dass Du darüber nachdenkst ...
Impulse zu einer Meditation am Beispiel der sieben Todsünden
„Superbia” – die Hoffart
„Avaritia”– der Geiz
„Invidia” – der Neid
„Ira” – der Zorn
„Luxuria” – die Wollust
„Gula” – die Unmäßigkeit
„Acedia” – die Trägheit
Todsünde kann aber auch heißen, nie ein Wagnis einzugehen, nie etwas zu riskieren, ständig zu flüchten und damit den eigenen seelischen Tod vorzubereiten. Die Selbstschädigung bei dieser Sünde ist sehr groß.
„Superbia” – die Hoffart
Welchen Stellenwert hat Dein Ego, Deine Ich-Durchsetzung. Nicht nur die Pharaonen fühlten sich einst als Stellvertreter Gottes auf Erden. Ein alter Grundsatz lautet: "Herrschen darf nur, wer sich zuvor selbst beherrscht". Durch Schmeichelei und Falschheit nach oben zu kommen, erhöht zu werden, ist gefährlich. Ohne Demut droht die Todsünde der Hoffart. "Radfahrer" sind dabei oft die Folge - nach unten treten und nach oben buckeln. Noch schlimmer wird es, wenn man annimmt, die Gottesebenbildlichkeit könne durch eigenes Verdienst allein hergestellt werden. Verleugnen der Grundbedingeungen oder Auflehnung gegen die Regeln birgt grosse Gefahren - nicht nur für den einzelnen Menschen. (Naturwissenschaft, Technik, Medizin,...)
Hochmütiges Auftreten im Namen anderer (des Chefs, Bischofs, des Gottes,...) - um seine Deine eigenen Interessen durchzusetzen - zählt ebenso dazu. Profilierung und Bereicherung auf Kosten anderer ... Achtung vor dem "steinernen Herz": "Ich brauche von niemandem Hilfe, ich kann alles selbst schaffen, niemand braucht Hilfe und Hilfeleistung ..."
Die Todsünde ist deswegen so gefährlich, weil sie sich meist fast unmerkbar entwickelt. Der Missbrauch geliehener Autorität und die Härte, andere auszunützen, wird selten rechtzeitig erkannt.
„Avaritia”- der Geiz
"... ein geiziges Auge trocknet die Seele aus" (Sir 14,9). Saturn verschlang seine Kinder aus Angst, sie könnten ihn töten. Er verschlang sie aber auch, um sie reifen zu lassen. Saturn bewahrt uns vor dem Zorn und der Unmäßigkeit, das Bewahren kann aber auch zu lange dauern. Saturn unterstützt den Neid, bewahrt uns vor Wollust und Hoffart - aber so kann kein neues Leben geboren werden und keine Freude zugelassen werden. Saturn eignet sich als Symbol für das Nichthergeben wollen und das Zurückhalten - auch von Gefühlen und Ideen. Das Tückische dieser Todsünde ist ihre Maskierung: So ist etwa Sparsamkeit ein positiver Begriff, der seine negativen Seiten nur ungern preisgibt. Menschen, die ihre Erfahrungen, ihr Können und Wissen nicht an andere weiterleiten kommen bereits in gefährliche Nähe dieser Todsünde. Geiz tötet: was rastet, das rostet und stirbt schließlich. "Nichtshergebenwollen" kann sich in vielen Bereichen zeigen - von Verdauungsschwierigkeiten bis zur völligen Isolation. Der Volksmund spricht vom "Ersticken am eigenen Geiz". Schlechte Laune, Missmut und Bosheit zeigen von einer inneren Angst, die das Leben ersticken lässt. Eltern, die ihre Kinder nicht "hergeben" wollen und diese stattdessen allein behüten, sind genauso gefährdet wie der "Konsummensch", der nicht "sein" sondern "haben" will.
"Gut ist der Reichtum, wenn keine Schuld an ihm klebt; schlimm ist die Armut, die aus Übermut entstand." (Sir 13,25) "Wer sich selbst nichts gönnt, wem kann der Gutes tun? Er wird seinem eigenen Glück nicht begegnen. Keiner ist schlimmer daran als einer, der sich selbst nichts gönnt, ihn selbst trifft die Strafe für seine Missgunst" (Sir 14,5.6)
Nur wer etwas hergeben kann - lieben lernt - kann seinen Geiz überwinden.
„Invidia” - der Neid
Der Neid zerfrisst dein Herz. "Neid und Ärger verkürzen das Leben, Kummer macht vorzeitig alt" (Sir 30,24)
"Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt, und ihn erfahren alle, die ihm angehören." (Weish 2,24)
Beachte die Parallelen zu anderen Religionen. Exkurs: Buddhismus - Auszug aus den edlen Wahrheiten:
Die edle Wahrheit vom Leiden: "Geburt ist Leiden, Alter ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Sterben ist Leiden; Sorge, Kummer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung, all das ist Leiden; nicht erlangen, was man begehrt, ist Leiden." (Meier E., Khoury A.Th.,Buddha für Christen. Eine Herausforderung. Freiburg 1986. S.73)
Oder: Die edle Wahrheit vom Aufheben des Leidens: "Durch die restlose Aufhebung und Beseitigung der Unwissenheit erlöschen die Karman-Kräfte; durch das Erlöschen der Karman-Kräfte erlöscht der Wille zur Wiedergeburt; [...] durch das Erlöschen der Empfindungen erlöscht das Begehren; durch das Erlöschen des Begehrens erlöscht das Anhaften...." (Ebd., S.73)
Neid ist vielleicht die entscheidende Todsünde. Bei anderen Menschen sehe ich immer nur das Gute, bei mir nur das Minderwertige. Die Folgen des Neids sind Verschlagenheit und Hinterhältigkeit. Neid ist vorzüglich geeignet, von den eigenen Fehlern abzulenken. Das Missvergnügen über sich selbst wird auf die anderen projiziert. Schmeichelei und Neid treten oft gepaart auf. Demagogen wecken oft Neidgefühle, um selbst mehr Macht zu gewinnen.
„Ira” - der Zorn
Gemeint ist damit nicht der "gerechte Zorn", der zB als Eigenschaft Gottes bekannt ist. Denn wer liebt zeigt in seiner Treue auch Glut und Heftigkeit. Während die Bibel den Zorn alleine Gott als Recht zuspricht, warnt sie vor dem Zorn der Menschen. Energie, die ihre Ziel nicht erreicht, kann schnell in Zorn umschlagen. Zorn macht blind, lässt unüberlegt und unbeherrscht handeln und führt ins Verderben (Amoklauf etc...) Zorn zieht uns auf das Niveau des Animalischen und Primitiven. Was im Zorn angerichtet wird, gebiert Kinder, die dann kaum mehr einzufangen sind. Neben dem hitzigen Zorn gibt es aber auch die kalte Wut, die das Leben eines Menschen verbittern und vergiften kann.
"Denkt daran, meine geliebten Brüder: Jeder Mensch soll schnell bereit sein zu hören, aber zurückhaltend im Reden und nicht schnell zum Zorn bereit; denn im Zorn tut der Mensch nicht das, was vor Gott Recht ist. " (Jak 1,19)
„Luxuria” - die Wollust
Sexualität ist eine positive Kraft. Erst das Ausleben der Sexualität um jeden Preis, um des alleinigen Genusses willen, auch verbunden mit der Abwertung des Partners, zerstört. Gemeint ist auch das Verführen und leere Versprechen, das bestehende Bindungen zerstört und nichts als Enttäuschung zurücklässt. Kalte Sinnlichkeit ohne Sinn, Erniedrigung und Vergewaltigung des Partners, süchtiges Verhalten ohne Rücksicht auf den Partner. (Prostitution, Kinderschändung, Notzucht, ...). Die leidvolle Erfahrung mancher Menschen zeigt, dass Sexualität oft auch unberechenbar wird und ganze Lebensentwürfe zerstören kann. Nicht wenige Kulturen reagieren daher mit Tabuisierung oder Sexualvorschriften um sich vor einer unberechenbaren Sexualität zu schützen. (Verschleierung, Ausschließen der Frauen/Männer von bestimmten Tätigkeiten,...) Nur im Rahmen von gegenseitiger Offenheit und Vertrauen kann Sexualität längerfristig angstfrei erlebt werden.
„Gula” – die Unmäßigkeit
Das Wort Maßlosigkeit scheint für diese Todsünde gut geeignet. Jede Entfaltung muss mit Maß geschehen. Nur wer den Blick auf das Ganze, auf den Sinn nicht aus den Augen verliert, kann das richtige Maß finden. Dabei soll man sich nicht nur auf die Nahrungsmittelaufnahme (Magersucht, Fresssucht) beschränken. Auch das Messen mit verschiedenem Maß ist hier angesprochen. "Zweierlei Gewicht und zweierlei Maß, beides sind dem Herrn ein Greuel." (Spr 20;10) Werden in der Gesellschaft alle gleich(mäßig) behandelt, egal ob In- oder Ausländer, Arbeitnehmer oder Unternehmer? Wer im Übermaß lebt, stumpft ab. Wir wissen um die Gleichgültigkeit, mit der wir etwa dem übermäßigen Fernsehkonsum (Gewalt, Konsum, Leid, Vergnügen,...) begegnen.
„Acedia” - die Trägheit
Müßiggang oder Faulheit bezeichnen oft ein Dahinleben ohne Eigeninitiative. Weiten wir unseren Blick aber auch auf das Innenleben aus, kommt eine viel wichtigere Sichtweise ans Tageslicht: der mangelnde Wille, an seiner Entwicklung zu arbeiten. Das Missachten der Aufgabe "Werde, der du bist",die Verweigerung der eigenen Reifung, das Mitschwimmen an der Oberfläche der Massenströmungen ist bequem. Ich kümmere mich nicht um meine Mitte, ich verweigere die Meditation und das Gebet. Meine unbewussten Seiten werden verdrängt, ich stelle mich ihnen nicht. Die Todsünde besteht darin, nicht nach innen zu hören und damit verborgene Talente nicht zu entdecken oder zu entwickeln. "Kommt Zeit, kommt Rat" wird so zu einer fatalistischen Lebenseinstellung pervertiert. Ich lehne meine Eigenverantwortung ab und delegiere sie an die Sterne, Gott, die Gesellschaft oder das Schicksal. Helfen sollen nur die anderen, ich bin nur zum Nehmen da. Der Sozialstaat ist zum Ausnehmen da, Eigeninitiative oder Subsidiarität kennt der träge Mensch nicht.
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