Ich bin Klempner von Beruf...

Ich bin Klempner von Beruf...

Ein Urologen-Blog
Zum großen Ganzen

DC Navigation Box

Kalender

Mo Di Mi Do Fr Sa So
6
20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 30 31        
 

Zurück zum Blog


Akute Zentritis

NobbyR  vLine  13. Oktober 2009 14:30   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 
Ein Trend der letzten Jahre ist die Zentrumsbildung: Brustzentrum, Darmzentrum, Beckenbodenzentrum, Schmerzzentrum und − die Urologen schließen sich hier natürlich nicht aus − Prostatazentrum bzw. Prostatakarzinomzentrum sind nur einige Beispiele. Allen Orten schießen qualitätsgesicherte und zertifizierte Kompetenzzentren aus dem Boden, teils vom Gesetzgeber so gewollt, teils in vorauseilendem Gehorsam. Man erhofft sich einen Standortvorteil mit einem Zugewinn an Patienten.

Für die jeweilige Abteilung bedeutet die Zentrumsgründung in erster Linie mehr bürokratische Arbeit: Jeder Arbeitschritt muss sorgfältig dokumentiert, jeder Fall gegebenenfalls interdisziplinär diskutiert und umfangreiche Ablaufbeschreibungen und Qualitätssicherungsmaßnahmen erstellt werden. Ob der einzelne Patient davon einen Gewinn hat, erscheint mir mehr als fraglich.

Wenn ein Mann mit Prostatakarzinom zur radikalen Prostatektomie in die Klinik kommt muss er mehrere Fragebögen zur Potenz, Miktion und Lebensqualität ausfüllen, muss ein psychoonkoligisches Konsil erhalten und vom Sozialdienst gesehen werden. Als Patient, der eigentlich nur von seiner Krebserkrankung geheilt werden möchte, würde ich mich da überfordert und eher unwohl fühlen.

Warum also Zentren?

So sind die Zeichen der Zeit.

Unsere Abteilung möchte übrigens gerne Prostatakarzinomzentrum werden...

;-)
 
 

Kommentar schreiben... (4 Kommentare)  vLine  0 Trackbacks  vLine  Permalink

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
96 Bewertungen  (Ø 3,3)    888 Aufrufe
 
 

#4 Benedicta    23.10.2009 16:50

@Gast: dann ist es keine gute QM. Das kann man tatsächlich pauschal so sagen - denn wirklich gute QM berücksichtigt eben diese notwendigen Abweichungen. Sture Standardisierung = Schlechte QM. Richtlinien MIT ALTERNATIV-PROTOKOLLEN = gute QM. Papierflut, die keiner mehr lesen kann = schlechte QM. Befunde und Anamnesen, die durch einen standardisierten Prozess in Schlüsselsituationen automatisch wieder vorgelegt werden = gute QM. Papierflut um der Rechtslage willen = schlechte QM. Dokumentation, die zeitnah und arbeitssparend in den Prozess eingebunden wird = gute QM. Jetzt klar, was gemeint ist?

#3 Gast    22.10.2009 15:12

Nichts gegen Standardisierung und Ablaufoptimierungen, aber festgelegte Standards können auch dazu verleiten, den eigenen Verstand auszuschalten und stur danach zu handeln. Ich erinnere mich an einen Fall, wo der Patient sowohl beim Aufnahmearzt als auch beim Pflegepersonal angegeben hatte, er leide an einer Ciprofloxacin-Allergie. Dieser Befund war auch überall dokumentiert. Welche perioperative Antibiotika-Prophylaxe erhält er ungefragt? Natürlich Ciprofloxacin, denn das ist der Standard! Ansonsten hat QM in Arztpraxen und Kliniken, so wie ich es kennengelernt habe, in erster Linie auch zu einem geführt: mehr Bürokratie. Die Flut auszufüllender Formulare und Dokumentationsbögen nimmt kein Ende...

#2 Benedicta    22.10.2009 14:41

Seltsam, seltsam dass immer auf QM rumgehackt wird, statt auf der ART, WIE QM gemacht wird. GUTE QM ist nämlich - durch Routine, Standardisierung, Übersichtlichkeit - letztlich eine Arbeitserleichterung. Aus der Tatsache dass die Medizin offensichtlich keine Ahnung hat wie man QM sinnvoll einsetzt darauf zu schließen, dass QM grundsätzlich unsinnig ist - das ist schon reichlich abenteuerlich... (NB: ICH würde mich als Patient gut fühlen, wenn man mir nicht nur "Heilung von Krebs" (muahaha) versprechen, sondern ein ganzheitliches Konzept incl. Beachtung meiner Lebensumstände anbieten würde. Was nutzt es mir denn, wenn ich nach der radikalen OP feststelle, ja danke, ich lebe noch - aber jetzt steh ich mit allen Problemen alleine da?)

#1 Helmut Müller    16.10.2009 10:47

Das ist die uralte Strategie der Krankenkassen von vor 20 Jahren : Die Zeit, die ich den Arzt mit Bürokratismus beschäftige, kann er nicht am Patienten tätig werden und somit keine bzw. weniger Kosten verursachen. Diese Strategie hat die Politik 1:1 übernommen und versucht zusätzlich die Öffentlichkeit durch "Qualitätsgedöns" davon abzulenken, dass vieles im Gesundheitswesen durch Personalreduktion aller Orten den Bach hinuntergeht. Und bisher ist ihr das ganz gut gelungen, denn gerade Ärzte sind ganz wild drauf, QM zu betreiben bzw. sich zertifizieren zu lassen oder auch nette Zentren zu gründen. Wie hiess doch gleich die bedeutsame Fabel ? Ach ja, des Kaisers neue Kleider ....

Dieses Feld bitte nicht ausfüllen:


Spambots sollen draußen bleiben!
CAPTCHA

    

888 Klicks

Trackbacks:

Keine Trackbacks
 

Footernavigation


© DocCheck Medical Services GmbH, Köln 2006

DC Flexicon

DC RSS Box

Neue Einträge in "Ich bin Klempner von Beruf..." per eMail.