psychiatrietogo
12. März 2012 19:26
Ketamin ist ein intravenös zu verwendendes Kurznarkotikum, das seit langem in der Anästhesie und Notfallmedizin verwendet wird. Es nimmt durch die Auslösung einerdissoziativen Anästhesie eine Ausnahmestellung gegenüber anderen Analgetika und Narkotika ein, worunter die Erzeugung von Schlaf und Schmerzfreiheit unter weitgehender Erhaltung der Schutzreflexe verstanden wird. Pharmakologisch ist es ein NMDA Antagonist.
Ich selbst konnte in meinem Zivildienst beobachten, welche Wirkung Ketamin oft hat. Dort gab es eine hübsche junge Anästhesistin, die für kleinere chirurgische Eingriffe gerne Ketamin Narkosen machte. Die Wirkung des Ketamins setzt nach der i.v. Gabe sehr schnell ein, die Patienten schlafen ein, sind schmerzfrei und kreislaufstabil, sie atmen spontan; alles sehr komfortabel. Nach dem Eingriff wachen die Patienten rasch wieder auf. Und in dieser Aufwachphase haben einige zumindest der männlichen Patienten derart berauschende halluzinatorische Zustände bekommen, in deren Mittelpunkt jeweils die junge blonde blauäugige Narkosegöttin stand, dass ich als Hilfskraft mich jeweils darauf vorbereitete, die wartenden Ehefrauen der Patienten nicht zu früh in den Aufwachraum zu lassen und den Patienten gleichzeitig schonend zu vermitteln, dass leider gar nichts von dem, was sie eben erlebt zu haben glaubten, wirklich passiert ist. Weder mit der Anästhesistin noch mit sonst jemandem. Statt dessen sei lediglich nur ein Abszess gespalten worden… Nach 5-15 Minuten waren sie dann wieder ganz klar und ernüchtert im Kopf, und schauten nicht selten etwas beschämt in den Raum.
Es nimmt daher nicht Wunder, dass Ketamin in letzter Zeit als “Spezial K” auch Karriere als Droge macht. Das Video hier zeigt einen Bericht des YouTube Channels “Neurosoup”, in diesem Video spricht eine aufgeklärte junge Frau mit einschlägigen Drogenerfahrungen:
Ketamin ist ein dissoziatives Halluzinogen mit Abhängigkeitspotential. Weit verbreitet schient es nicht zu sein, aber es ist auch nicht ganz selten.
Nun gibt es immer wieder Diskussionen in der Fachwelt, ob Ketamin eine originäre antidepressive Wirkung hat. Zarate et al (2012) haben in der Zeitschrift Biological Psychiatry erneut über eine Studie berichtet, in der Ketamin depressiven Patienten gegeben worden ist, die dann über einige Tage einen niedrigeren MADRS Wert zugeschrieben bekommen haben als eine mit Placebo behandelte Vergleichsgruppe.

Das Problem mit dieser wie mit vielen Studien ist, dass die intravenöse Gabe von Ketamin nicht durch eine Placebogruppe verblindet werden kann. Du merkst, ob Dir jemand 0,5 mg/KG Körpergewicht Ketamin i.v. spritzt. Und dann ist es nicht blind. Und dass dann der Behandler andere Werte in den MADRS Bogen schreibt, sagt halt leider gar nichts. Man müßte zumindest mal 10 mg Diazepam i.v. in der Kontroll Gruppe geben, damit es wenigstens teilverblindet ist.
Den Bericht über diese Studie fand ich in einem meiner absoluten Lieblingsblogs:Neurosceptic. Hier schreibt ein Neurowissenschaftler sehr kritisch und absolut hochkompetent über Studien und Strömungen aus dem Bereich der Neurowissenschaften, immer maximal lesenswert. Wen ich zwei Wochen auf eine einsame Insel müßte und nur auf einer Top-Level-Domain surfen dürfte, wäre es im Moment mal http://neuroskeptic.blogspot.com!
Mehr wie immer unter psychiatrietogo.wordpress.com
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