Barbara Buschow
20. Dezember 2007 20:03
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Nadine
18. Dezember 2007 16:31
Als Kind fand ich Weihnachtsfeiern toll. Überhaupt den ganzen Dezember. Überall Kerzen, süße Düfte, Weihnachtslieder. Schöööön! Und die Vorfreude auf Weihnachten, auf den Christbaum, das Christkind, auf Opa und Oma und all die Geschenke. Schon schade, dass mit dem Größerwerden auch der Zauber der Weihnachtszeit verloren geht, oder? Ich find das traurig.
Seit ich erwachsen bin, ist der Dezember immer viel zu kurz, schließlich hört er ja quasi schon am 24. auf. Dafür hat man aber doppelt so viel zu tun. Das ist hier in der Praxis nicht anders. Es kommt mir so vor, als würden die Leute jetzt vor Heilig Abend noch mal schnell krank werden, damit ihnen über die Weihnachtsfeiertage nix passieren kann. Das Wartezimmer ist jeden Tag voll wie bei einer Autogrammstunde von Gentleman, und wir machen alle Überstunden.
Für mich hat das auch sein gutes. Ich werde wirklich gebraucht. Und mit Patienten reden, Krankenakten raussuchen, Daten in Albis einpflegen und all der ganze Krimskrams, das kann ich wenigstens, das müssen sie mir hier nicht extra beibringen. Ich frag mich manchmal, was die jetzt machen würden, wenn ich noch nicht da wäre. Ich glaub schon, dass die ganz froh sind, dass ich hier so spontan zum Jahresende angefangen habe.
Der Chef wollte vor kurzem in die Stadt auf eine Demo fahren gegen die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte. Aber wurde nichts draus, denn als der Herr Doktor losgemusst hätte, waren noch immer stapelweise Patienten da. Hoffentlich bleibt wenigstens Zeit für ne anständige Weihnachtsfeier. In all dem Stress hab ich meine neuen Kollegen schließlich noch gar nicht richtig kennen gelernt. Geplant ist Freitagabend. Bin ja mal gespannt …
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DZKF
17. Dezember 2007 10:54
Es ist nicht von der Hand zu weisen: Arzneimittelentwicklung wird immer teurer. Die Gesellschaft klagt über die steigenden Kosten für unsere Gesundheit und die Politik sucht verzweifelt nach einem Sündenbock. Zu Recht?
Seit 1987 war laut VfA (Verband forschender Arzneimittelhersteller) ein Anstieg der Entwicklungskosten für ein durchschnittliches Medikament von ca. $ 231 Mio. auf ca. $ 802 Mio. (Quelle www.vfa.de ) zu verzeichnen. Mit schöner Regelmäßigkeit wird dabei der "bösen Pharmaindustrie" der schwarze Peter zugeschoben, mit der Begründung, dass sie ja wohl außerordentlich teure Präparate auf dem Markt bringe. "Muss das denn sein?" wird mal mehr, mal weniger offen gestöhnt. Anscheinend schon, die Frage ist nur, warum. Ist es wirklich so, dass Qualität nun mal ihren Preis hat, an dem nicht zu rütteln ist? Oder ist "Qualität" vielmehr ein großer Kostentreiber innerhalb der klinischen Forschung, geschuldet dem Bedürfnis nach Sicherheit?
Um nicht missverstanden zu werden: Mir geht es nicht darum, die gesetzlichen Vorgaben oder die internationalen ethischen und wissenschaftlichen Standards für klinische Studien in Frage zu stellen. Diese Standards sind von großem Wert für die klinische Forschung, ihre Einhaltung garantiert Sicherheit und schafft öffentliches Vertrauen. Was aber ist mit der praktischen Umsetzung dieser Gesetzesvorgaben, mit all den vielen verschiedenen Arbeitsvorgaben die den Alltag der Beschäftigten in der pharmazeutischen Industrie bestimmen?
In einem von unglaublich starker Fluktuation geprägten Metier ist die Angst Fehler zu machen besonders groß, und so werden oft ohne einen Kosten-Nutzen-Effekt zu analysieren immer neue Arbeitsvorgaben aneinandergereiht. Wäre nicht vielleicht durch mehr Management-Ausbildung der Mitarbeiter der pharmazeutischen Industrie ein wesentlich effektiverer Umgang mit den verschiedenen gesetzlichen Vorgaben möglich? In meinen Augen ist eine konstruktive und offene Diskussion zu diesem Thema nötig. Vielleicht könnte ja so Qualität nicht um JEDEN, sondern zum RICHTIGEN Preis geschaffen werden
Lesen Sie auch den Beitrag in der neuen Ausgabe der DZKF (www.DZKF.de) . Online können Sie die Zeitschrift auch ohne Abo lesen wenn Sie einen DC-Pro Zugang haben!
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Slopez
10. Dezember 2007 18:54
Im Zuge der nationalen Verwirrung da Normalbenzin, Super und Diesel neuerdings den selben Preis haben und eine Tankfüllung eine recht schmerzhafte Angelegenheit ist, möchte ich doch schnell einmal meine liebste Tankgeschichte zum Besten geben.
Es trug sich an einer unabhängigen Spritoase ohne Konzern im Rücken zu, dass ich meinen Golf an die Zapfsäule heranbugsierte und etwas erstaunt den Tankstellenkunden vor mir zur Kenntnis nahm: ein über das ganze Gesicht strahlendes, etwa 35 Lenze zählendes Männlein, das mit einer Engelsgeduld die Scheiben seiner Familienkutsche der Marke Renault derart mit Verve und Esprit putzte, dass es so mancher Hausfrau wohl einige Feelings ob dieser Prozedur bereitet hätte.
Ausgeklinkt von Zeit und Raum und Tankstellengedrängel stand es da und wusch und polierte, dass es eine reine Freude war. Ich ging währenddessen zur Kasse, bezahlte wahrscheinlich 328€ für den vollen Tank und stellte fest: der Renaultfahrer war kaum ein Fenster weitergekommen. Als er nun auch nun ansetzte, diesen Luftbefüllungsapparat, dessen Name mir gerade nicht einfällt, zu holen, um etwas mehr Druck in seine Reifen zu husten, während ca. 10 potentielle Tankkunden hinter ihm schon mal den Schlafsack auspackten, gellte das erste „Hau ab du Blödmann!" über die Zapfanlagen. Man musste nicht studiert haben um festzustellen: der Tankstellenpächter hat es dick. Aber sowas von.
Und während er eine geharnischte Litanei runterpredigte und den reinlichen Renaultfahrer verbal über die Gesellschaft im allgemeinen und Egoistenärsche an Zapfsäulen im Besonderen aufklärte, dachte ich so bei mir: einfach mal ohne Rücksicht auf Verluste alles Rauslassen muss was sehr befreiendes haben.
Ob es nun der Nachbar von oben ist, der die Hausgemeinschaft ab 21.00 mit Tischrücken und Kirmestechno beglückt, oder erzürnte Patienten die telefonisch aus der Haut fahren, weil man es wagte in einem Arztbrief bei Dysphagie eine Magenspiegelung zu empfehlen, obwohl das Hauptproblem doch offensichtlich die Knieschmerzen beim Schlucken von fester Nahrung gewesen seien und nun wegen der noch ausstehenden Gastroskopie die orthopädische Reha nicht bewilligt wurde. Irgendwann reichts.
Einmal nur aus der Haut fahren dürfen und sich hinterher selbst wohlwollend Schulterzuklopfen. Tut man natürlich nicht. Tankstellenpächter müsste man sein.
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Slopez
09. Dezember 2007 18:49
„Mobil", „Multimedia", „Geiz ist geil" haben was miteinander zu tun? Richtig - allesamt Schlagworte der letzten 2 Jahre die ob ihres ubiquitären Vorkommens eine Art Opium fürs Volk darstellen müssen. Elektroschrott verkauft sich mittlerweile wie geschnitten Brot wenn dem Interessenten nur marktschreierisch genug suggeriert wird, er könne mit dem batteriebetriebenen Gerätchen multimediale Welten im Notfall auch bei der Defäkation in der Zugtoilette betreten. Und wenn es das Spielzeug dann auch noch im Angebot gibt - Augen zu, Geldbeutel auf.
Nun fragt sich bei millionenfachem Konsum wie hoch der Prozentsatz wohl derjenigen ist, die durch ihren Beruf oder ihre besonderen Fähigkeiten (Spider-, Super- oder Bofrostmann beispw.) 24/7 erreichbar sein müssen und des öfteren Emails mit derart hochexplosivem Inhalt bekommen, dass eine verübergehende Kommunikationsabsenz der Gemeinschaft unzumutbar wäre.
Aber sind wir doch mal ehrlich - wie oft steht man in Menschenansammlungen in denen unablässig aus Hosen- und Handtaschen kleiner Elektroschrott gezogen wird um auch ja nichts zu verpassen. Könnte ja sein dass man trotz Klingelton und Vibration irgendwas nicht mitbekommen hätte.
Hat man natürlich nicht, aber könnte doch sein.
Und während man mit müden Augen post Nachtdienst durch den tristen Dezembermorgen mittels Straßenbahn kutschiert wird und der verrückte Frosch aus dem Jamba-Spar-Abo irgendwo eine SMS in Pennälerhand ankündigt, die mit Sicherheit ziemlich viel „HDGDL" enthält, kommt man zum Entschluss: Unerreichbarkeit kann auch Sexy sein.
Aber gut, wer ohne Makel und Elektroschrott in der Tasche trotz Weihnachtswerbeoffensive ist, der Werfe den ersten Stein.
Die Menschheit ist nun mal sehr Slogan-affin. Was „Multimedia" für Ottonormal, ist „Interdiziplinär" für den Mediziner von heute. Ob nun die neue AO mit der „interdisziplinären Tumorkonferenz für Studenten„ junge Menschen mit einer ganz neuen Art von Frontalvorlesung überrascht - bis zu 8 Dozenten, die sich gegenseitig ins Wort fielen, wovon mindestens 5 gerne noch mal das TNM-System erklärt hätten, weil ihnen natürlich keiner gesagt hatte, dass das schon Prof. XY via Powerpoint verwurstelt - bis zum Klinikalltag: Hauptsache „interdisziplinär".
Und ehe man sich es versieht ist man Arbeitnehmer in einer Klinik die sich zum Zentrum zertifizieren lassen will und muss sich mit den chirurgischen Kollegen über die Farbe der Patientenkurven streiten. Flieder ist nun nicht jedermann Sache, interdisziplinäres Wunschdenken hin oder her.
Um so beruhigender ist es dann doch, wenn der lange Nachtdienst ein Ende findet und die Chefärzte der Kardiologie und der Gastroenterologie lautstark über die Verlegung der Notaufnahmepatienten in die jeweilige Klinik ringen. Interdisziplinäres Auf-die-Mütze - ein herrliches Stück Normalität in einer verrückten Zeit.
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