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ICD T71 - Tod durch Verstrickung

Frank Antwerpes  vLine  22. Dezember 2006 00:16   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 
Ulla droht - und keiner hat Angst. Vor allem nicht die deutschen Krankenkassen. Die ministerielle Androhung vom heutigen Tage, die angekündigten Beitragserhöhungen "streng" prüfen zu lassen, bereitet den gut bezahlten Kassenfürsten etwa soviel Unbehagen wie das Spanking mit einem Wollschal. Mit der 3%igen Mehrwertsteuererhöhung hat die Regierung den Funktionären in den GKV-Chefetagen den Freibrief zum Drehen an der Beitragsschraube in die Hand gedrückt. Wer selbst so kräftig zulangt, kann wohl kaum von anderen keusche Enthaltsamkeit verlangen.

Ullas Ohnmacht hat aber noch einen anderen Grund: Immer häufiger bleibt der Machtanspruch des Gesundheitsministerium im Dickicht des eigenen Regelwerks hängen. Kaum einer - nicht einmal die Spezialisten - blickt noch durch, was passiert, wenn an einer der zahlreichen Stellschräubchen des Gesundheitsystems mit seinen Hunderten von Ausnahmeregelungen herumgenestelt wird. Wäre Franz Kafka 1970 geboren, er hätte nicht "Der Prozess", sondern "Die GKV" geschrieben.
 
 

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Praeprognostics II - Vorahnungen für 2007

Ulrich Pietrek  vLine  19. Dezember 2006 14:50   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 
Jetzt verkündet die Freie Ärzteschaft - wo bitte soll die denn zuhause sein ? - eine ganze Woche Streik für den März 2007. O.k. Fasching und Fasnet und Carnevale sind dann bereits den Fluß Lethe hinuntergeflossen, aber eine ganze Woche?
Einfach so zumachen, um Aufmerksamkeit zu erregen - bei wem bitte?
Ulla reagiert nur noch mit Nebensätzen - schließlich hatte sie insgeheim bereits in 2006 damit gerechnet, dass ein kluger Promovierter auf die Idee mit "länger wirkt besser" kommen könnte.
Die Kassen erproben sich bereits mit Einzelverträgen und zeigen leere Geldbeutel, da die Erhöhung der Mitglieder - Beiträge nach geltender Logik bisher immer eine Verminderung der Honorartopfvolumina nach sich zog - oder hat jemand eine andere Mathematik parat?
Und last not least die lieben Patienten schreiben Briefe mit folgendem Wortlaut (ist mir tatsächlich widerfahren!): "...Liegt dies daran, dass unsere Kasse solche Leistungen nicht vergütet? War das bisher eine Leistung, die wir bisher quasi umsonst erhielten?...In der aktuellen Diskussion um das Gesundheitswesen bin ich nicht auf dem Laufenden. Daher kann ich auch nicht beurteilen, ob der Weggang einer Familie von
Krankenkassenversicherten einer Arztpraxis gar nicht so unrecht ist."

Ich würde sagen: Das sind doch klare Vorgaben und damit ein solide Basis für Praeprognostics II frei nach I. Kant: Handle so, dass du möglichst keine Aussage tätigst über das, was in der breiten Öffentlichkeit nicht mehr besprochen werden muss.
 
 

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Am Rand der Welt

Karlsson  vLine  18. Dezember 2006 00:07   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 

Ein Sonntag mitten im Dezember. Die Dunkelheit schlägt genauso aufs Gemüt wie das kalte nordische Regenwetter. Und nichts vermag diesen Tag zu erhellen. Am wenigsten die Vorstellung, daß aus der einen halbherzig zusammengepackten Tasche noch etwa drei weitere werden müssen und daß in wenigen Stunden die Fahrt in die norddeutsche Provinz unweigerlich beginnen muß.

 

Um mich da drüben wenigstens ein bißchen wohl zu fühlen, harke ich aus Dachboden, Keller und Wohnungswinkeln einige Gegenstände mit heimatlichem Flair zusammen und packe sie in diverse Plastik-Klappkisten. Das Gewicht ist nicht der limitierende Faktor, denn mein VW-Bus ist nicht nur uralt sondern auch geduldig und es ist mal glatt egal, ob ich nun mit 108 oder mit 91 km/h meinem Verderben entgegenkrieche. Herbert fällt mir ein mit seinem "Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl". Wieviele von den Klappkisten ich wohl brauche, um auch nur einen Bruchteil Heimat am anderen Ende des Bundeslandes wieder neu aufstapeln zu können?

 

Bevor ich mich mit Abschiedsgedanken überfrachte, muß Ablenkung her. So gehts noch eine Runde durchs Internet (da drüben gibts sowas nicht so einfach, das weiß ich schon). Die zwei Single-Seiten abklappern, auf denen ich angemeldet bin. Hat mir jemand geschrieben oder ahnen sie alle schon, daß ich mein Leben in der nächsten Zeit abseits der Zivilisation fristen werde? Vielleicht melde ich mich jetzt gleich kurz doch noch mal auf einer weiteren Plattform an - das erhöht die Chancen. An meinem künftigen Wirkungskreis wäre wohl bauernflirt.de am geeignetsten. Aber ich will da ja nicht ewig bleiben und ich bin eigentlich eher der Lang-Beziehungsmensch.

 

Also verwerfe ich diesen Gedanken und packe während "Nur die Liebe zählt" und der Sonntagabendkrimi-Wiederholung die letzte Tasche mit Klamotten. Teure Markenfummel, die dort drüben eh keiner zu würden weiß, weil man sowas nur in Großstädten braucht, um die ganzen anderen Singles zu beeindrucken. Andererseits trage ich in der Klinik Weißzeug und zuhause Frottee und Filz von Tchibo. Vielleicht schiebe ich vor Ort die Konjunktur an und kaufe ein paar karierte Hemden. Eine Anpassung an die Exil-Bevölkerung macht allerdings wenig Sinn, wenn man nur während 5 Wochentagen da ist und am Freitagnachmittag den Uralt-Diesel zum Rotglühen bringt, um wenigstens während 52 Stunden pro Woche wieder am Leben teilnehmen zu können.

 

Einen Strohhalm habe ich noch. Andere PJ-ler sind da drüben ja auch noch und sicher sind manche genauso einsam und verzweifelt wie ich. 70% der Medizinstudenten sind in Wirklichkeit Medizinstudentinnen. Und Gelegenheit macht... Ich bin zwar nicht der Typ für diese Art von Trost, aber wenn mir jetzt schon solche Szenarien in den Kopf kommen, weiß ich nicht, wohin mich die Verzweiflung wohl noch bringen wird. Und vielleicht kann man dieses ganze Unternehmen ja auch wie eine 4monatige Klassenfahrt sehen, da hat sich ja damals auch einiges ergeben. Schade, daß ich damals nur staunend zugeguckt habe, für diese Übungsstunden gäbe ich jetzt was.

 

Die letzte Stunde in der Heimat ist angebrochen. Noch ein Mail-Check. Posteingang leer - sie ahnen es alle, so schnell ist man abgeschrieben. Ich wuchte die verbliebenen drei Taschen mit internistischer Fachliteratur (nur ausgepackt, nie gelesen) übereinander in den Fahrstuhl und zerre sie in den warnblinkenden Bulli vorm Haus. Schneeregen, natürlich. Profil haben die Reifen noch, aber es sind keine Winterreifen. Die Versicherung wird versuchen, einen Teil der Erstattungssumme für sich zu behalten, wenn ich auf diesen Puschen in einen der eiskalten Flüsse auf der Strecke rutsche. Alles was ich an Heimat packen konnte ist drin, es bleibt nichts mehr zu tun. Jetzt muß ich da vorn einsteigen und losfahren. Ich wüßte gerade nichts, was ich mehr hasse. Außer vielleicht, nochmal mit dem Studium von vorne anfangen zu dürfen.

 

Ich starte den Bulli, der sich schüttelnd wie immer dafür bedankt und mit gewohntem Blubbern eine zuverlässige Überfahrt verspricht. Herbert hat mit "Tief im Westen" eine ganz andere Gegend gemeint, aber die nächsten anderthalb Stunden wird der Bordkompaß nach Westen zeigen und wirklich hoch über dem Meeresspiegel liegt mein Ziel auch nicht (11m). Natürlich werde ich während der Fahrt immer unruhiger und ungläubiger, denn die Beschilderung wird immer kleiner und als ich in einem wirklichen kleinen Örtchen nochmal von der Hauptdurchfahrtsstraße abbiegen muß, macht sich Resignation breit. Die "Scheißegal"-Tropfen, die die Anästhesistin neulich noch beworben hat, hätte ich jetzt gern, damits schneller geht.

 

Am Ziel angekommen, ist das Krankenhaus wenigstens ausgeschildert. Am Empfang sollen Schlüssel für meine künftige Behausung liegen. So ist es auch. Wo diese Straße ist, kann die Pforte mir auch nicht sagen. Macht ja nichts, ich setze mich wieder in den Bulli und fahre alle Straßen mal ab, das wird nicht so lange dauern. Eine Tankstelle habe ich jedenfalls noch nicht entdeckt, sodaß ich nicht fragen oder einen Stadtplan kaufen kann. Es dauert auch nur eine halbe Stunde in dem Mistwetter, bis ich hinter Schneeflocken in der Dunkelheit die Straße gefunden habe. Sie führt bezeichnenderweise laut Beschilderung ganz sicher nicht in den Ort, dessen Namen sie trägt. Aber warum auch?

 

Eine 3er-WG im ersten Stock, aha. Niemand da, zwei Zimmer nur mit Bett, Schrank, Tisch, Stuhl und ohne persönliche Sachen ausgestattet. Eins davon wird wohl meins werden. Ich nehme das, das einem Tanzsaal ähnelt. Parkett sorgt für geringe Geräuschdämmung, dafür gehen die Fenster aber nach hinten raus und im Dunkeln läßt sich auch ein Balkon ausmachen, den ich bei diesem Wetter und dieser Beleuchtung nicht zu betreten wage. Wer will schon die ersten Wochen in der Unfallchirurgie landen und dann das Tertial wiederholen wegen zu vielen Fehlzeiten? Und diese PJ-Unfallversicherung zahlt garantiert kein Assistenzarzt-Gehalt.

 

Also alles in den ersten Stock wuchten, ohne sich leerzuschwitzen oder übel zu stürzen. Nach Heimat sehen diese Kisten auf einmal nicht mehr aus. Dann dem Bulli noch eine Bleibe über die Woche suchen - natürlich am anderen Ende der Stadt, denn in Kliniknähe gibts auf den Bürgersteigen nur Parkverbotsschilder. Ich finde einen Parkstreifen in der Nähe der Post vor einem Haus, das sie "Die Brücke" nennen. Zwar neben dem gegenüberliegenden Fahrstreifen, aber wir sind hier ja in der Provinz und nicht mal in meiner Heimatstadt kriegt man für sowas ein Ticket - also zieh ich rüber und park mal ganz unorthodox.

 

Wieder in der 1-3er-WG nach einem Spaziergang durch die verdunkelte Stadt: Heizung an, Fenster auf Kipp, Bett beziehen, Zähne putzen, Filz anziehen, ne heiße Milch mit Honig, Füße hoch, Kopf runter. Es reicht für heute. Morgen geht der Tag - für internistische Verhältnisse - spät los: 7:45 Termin beim Chef. Zum Glück verhilft mir meine unterschwellige Winterdepression zu ausgeprägtem Schlaf.

 

Willkommen im zweiten Tertial. Innere am Rand der Welt.

 
 

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Praeprognostics I - Vorahnungen für 2007

Ulrich Pietrek  vLine  16. Dezember 2006 23:39   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 
Jetzt bessern die Länderherren - allen voran der ewige "Stauber" aus Bayern - doch wieder an diesem Jahrhundertmachwerk herum. Als gäbe es etwas gut zu machen. Als wäre aus einer Nullnummer ein Tombolagewinn herauzuholen. Nun, lassen wir sie einfach bessern- vielleicht läßt sich dadurch die vorweihnachtliche zwischenmenschliche Gestimmtheit heben.

In jedem Falle scheint diese Gesundheitsreform wieder einmal nichts wirklich zu reformieren und alles wird unverändert "relativ gut" bleiben, wenn wir denn weiterhin zu Spenden bereit sind. Und in der Tat, die soziale Ader und das monetäre Polster vieler Kollegen scheinen so ausreichend entwickelt zu sein, dass auch im nächsten Jahr die erwartete Subventionsmaschinerie weiterlaufen kann.
Immerhin kann sich die KV einen "bezahlten Ersatzdienst" als Kittelträger vor dem Reichstag finanzieren; das zeigt, die geringe Anteilnahme realer Kittelträger am aktuellen Geschehen und läßt erahnen, dass im kommenden Jahr viele Betroffene wieder keine Zeit für Tagesdemos haben werden, denn die soziale Ader will schließlich verdient sein.
Daraus ergibt sich die erste Prognose für 2007: Rackern in den Praxen geht vor Reality-TV an der Reichstagsfront!

 
 

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Schluck aus der Pulle.

Frank Antwerpes  vLine  14. Dezember 2006 23:19   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 
Die Allgemeinen Ortskrankenkassen zeigen mit der neusten Beitragserhöhung auf bis zu 16,4% deutlich, was die so genannten Gesundheitsreformen der letzten Jahre gebracht haben: Nichts.

Die ebenso heuchlerische wie falsche Message "Uneingeschränkte Gesundheitsversorgung für alle" hat die Kassen - von der Politik still geduldet - zu Beitragsjunkies mutiert. Und da das GKV-WSG ihnen jetzt die Möglichkeit genommen hat, weiter anschreiben zu lassen, werden zur Abwechslung mal wieder die Beitragszahler angepumpt.

Der neue Schluck aus der Pulle wird jedoch nicht lange vorhalten - das zeigt die Erfahrung der Vergangenheit. Aber wer will bei einem so großzügigen Griff in die Arbeitnehmer-Taschen schon kleinlich sein... Deshalb: Prost, AOK! Fragt sich nur, wie lange die Versicherten für die Utopie vom Vollkasko-Gesundheitswesen noch brav latzen wollen. Die Ausweitung der Systemflucht ist vorprogrammiert.
 
 

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