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Wie riechen eigentlich Kastanienblüten?

Michael Nestmeier  vLine  24. Juni 2009 18:01   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 

Regensburg, 24. Juni: Über das Abbauen nach der Medifete

 

            Die ekligen Entdeckungen kommen immer ganz zum Schluss einer Party. So auch am Morgen nach der Medifete, 4:52, als ein müdes Häufchen Fachschaftler noch immer durchhält und das ganze Zeug abbaut: Schanktische wegtragen, Garderobenschränke zurückräumen, Musikanlage aufräumen... Ich kehre gerade die gröbsten Scherben, Kronkorken, Papierhandtücher und Zigarettenkippen vom Boden der Herrentoilette, da klammert sich verzweifelt ein offensichtlich benutztes gelbes Kondom an den Besen. Keine Ahnung, wo das herkommt. Wie gut, dass ich schon todmüde bin, noch ordentlich Restalkohol habe und daher nicht mehr so gut Gegenstände fixieren kann – so genau will ich das Ding auch nicht sehen müssen. Schnell weg damit, auf die große Schaufel und in den Container.

Ich kann mir ungefähr vorstellen, was der Gummi in den letzten Stunden so erlebt haben könnte. Wie auf Knopfdruck fällt mir auch in meinem momentanen Zustand die jedem Mediziner wohl bekannte Beschreibung ein: „Fructosehaltig, 70% aus der Bläschendrüse, charakteristischer kastanienblütenartiger Geruch.“ Der momentane Geruch ist auch charakteristisch, ein ungemütlicher Mix aus kaltem Tabakrauch, verschwitzter Tanzfläche, durcheinander konsumierten Alkoholika und dreckigen Schuhsohlen. Kein Hauch von Kastanie, ich bin froh darum.

Die notwendige Ablenkung kommt sofort: Schwarze Bretter wieder aufhängen, Tische in die Physio-Räume zurücktragen und abwischen, leere Flaschen einsammeln, Musikanlage abbauen, Getränkekästen in den LKW laden,...

Letztendlich hat es aber auch heuer wieder Spaß gemacht, die Party abzubauen. Vor allem, wenn man frühmorgens die Gummihandschuhe auszieht, die Sonne aufgehen sieht und einem schon die ersten fleißigen Leute entgegenkommen, zielgenau zur Bibliothek. Die habe ich am Tag danach natürlich nicht betreten. Ausschlafen bis fünf Uhr, Kochen und ein wenig Zocken am PC waren angesagt. Und außerdem, was tut ein armer Student nicht alles für eine warme Mahlzeit: Wer bei der Party mit abbauen hilft, wird von der Fachschaft zum großen Helferessen in die legendäre „L’Osteria“ eingeladen: Italienische Küche vom Feinsten, was das Herz begehrt. Wie gut, dass es die Medifete gibt: Heute Abend ziehe ich mir meine verdiente Pizza rein und schäme mich keineswegs, die Party (die schon vor zig Wochen stattgefunden hat) erst jetzt zu bloggen – heute, beim Helferessen, ist eben der Anlass, sich wieder daran zu erinnern. Und damals hatte ich einfach den Doccheck-Account noch nicht ganz überrissen...

 

 

 
 

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