Eva Hieronimus
08. März 2009 20:16
Als ich das erste Mal vor einer Gruppe "Schüler" stand, handelte es sich um Schulhausmeister. Gestandene Männer, denen ich etwas über 1.Hilfe beibringen sollte - nach zwei Tagen war es vorbei, die Herren sah ich nicht wieder. Nun sind aus der ersten Generation meiner Heilpraktikerschüler, die ich über 16 Monate begleitet und unterrichtet habe Kolleginnen und Kollegen, wenn man so möchte, auch Mitbewerber geworden. Natürlich habe ich mich sehr gefreut, als die ersten ihre Prüfung bestanden haben und ein Lob vom Amtsarzt über ihr immenses Wissen einstecken konnten - auch wenn ich bei allen wusste, dass sie das in erster Linie ihrer Disziplin, ihrer Freude am Lernen und ihrer Auffassungsgabe zu verdanken haben und nur zweitrangig unserem Unterricht.
Die meisten meiner Schüler sind älter als ich. Sie haben Lebenserfahrung, einen "alten Beruf" aus dem sie kommen und eine mehr oder weniger große Selbstsicherheit im Bezug auf ihr Vorwissen. Als Dozentin sehe ich in dieser Mischung aus Individualisten eine Bereicherung des Unterrichts, Potential, dass eine eigene Gruppendynamik entstehen lässt, die man leiten kann. Man kann nicht verschweigen, dass in einer solchen Klasse auch Konflikte entstehen können, aus denen angehende Therapeuten aber nur lernen können.
Nun sind aus den ersten ehemaligen Schülern Kollegen geworden. Ich habe zwischenzeitlich die Schule gewechselt, coache noch den ein oder anderen "Ehemaligen", bin aber nicht verpflichtet, alle in ihren neuen Beruf zu begleiten - allerdings haben sich Freundschaften entwickelt. Ein Studium oder eine Ausbildung gehören für uns alle -zu einem wichtigen Teil- in die Kategorie "Persönlichkeitsentwicklung". Auch die ersten Jahre als Dozentin (ich hoffe, dass ich nicht zu schnell der Routine verfalle) verändern, man lernt durch die permanente Reflektion von Seiten des Auditoriums, dass sich ja auch von Stunde zu Stunde verändert. Ich habe in der ersten Zeit ein paar Menschen kennen gelernt, bei denen ich mich von Anfang an auf den Tag gefreut habe, an dem wir auf der selben Ebene stehen werden, an dem ich nicht überlegen muss, wieviel Privates ich preisgebe. Für diese Freundschaften bin ich dankbar.
Allerdings sind diese neuen Kollegen/ Freunde nun auch Mitbewerber, auch dass ist für mich als Dozentin/ Heilpraktikerin eine Form des Feedback - was wollen meine ehemaligen Schüler anders machen als meine Kollegin und ich, was wollen sie in ihrem Unterricht (nun auch als Dozenten) verändern, was übernehmen sie?
Kommunikation ist eine unglaublich spannende Sache- in jeder Form... und ich freue mich nun auf meinen neuen Heilpraktiker-Vollzeitkurs in Hannover, auf neue Schüler, Kollegen und vielleicht auch Freunde.
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