Ich bin Klempner von Beruf...

Ich bin Klempner von Beruf...

Ein Urologen-Blog
Zum großen Ganzen

DC Navigation Box

Kalender

Mo Di Mi Do Fr Sa So
    4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31    
DocCheck Blog Visual
 

Zurück zum Blog


Lotse ohne Peilung?

NobbyR  vLine  20. November 2008 16:07   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 

Der Begriff Lotse stammt aus der Seefahrt: Hier bezeichnet er in der Regel einen erfahrenen Kapitän, der sich in bestimmten gefährlichen Gewässern so gut auskennt, dass er beratend andere Schiffsführer sicher durch Untiefen und vorbei an Hindernissen führen kann.

 

Der Hausarzt soll nach dem Willen des Gesetzgebers der Lotse im Gesundheitswesen sein: ein klinisch erfahrener Mediziner, der alle Krankheitsbilder so gut kennt, dass er seine Patienten sicher vorbei an allen Klippen und Sandbänken des Gesundheitssystems dem richtigen Facharzt zuführt, um so überflüssige Doppeluntersuchungen einzusparen sowie die Patientenversorgung zu koordinieren und zu straffen.

 

Eine beruhigende Vorstellung.

 

Leider habe ich immer wieder den Eindruck, dass der ein oder andere Lotse wohl seine nautischen Karten verlohren hat. Statt den Patienten rasch zum nächsten Facharzt zu überweisen, werden die Patienten länger als nötig durch die seichten Gewässer der eigenen Praxis geschippert, geIGeLt und, falls es unvermeidbar wird, ins Krankenhaus überwiesen oder eingewiesen. Auf dem entsprechenden Formular steht dann zum Beispiel: V. a. chronische Lumbalgie (DD: Nierenkolik), unklares Abdomen, hypertensive Entgleisung, Descensus uteri. Da ist für jeden etwas dabei, und man kann sich aussuchen, in welcher Fachabteilung man den Patienten zuerst untersucht. Sachdienliche Hinweise über vorangegangene Diagnostik und/oder Therapien fehlen in der Regel. Vielleicht kommt man indes auf diesem Weg zu einer ausreichenden Abklärung und Behandlungsempfehlung, um die medizinische Seereise unter Umgehung des Facharztes allein mit dem Patienten fortzusetzen.

 

Von einer Lotsenfunktion im Sinne der Gesundheitspolitiker kann ich hier jedenfalls nichts erkennen.

 

Tatsächlich nimmt wohl nur ein geringer Prozentsatz der gesetztlich krankenversicherten Patienten an einem Hausarztmodell teil, sondern die meisten gehen lieber direkt zum Facharzt, selbst wenn sie dafür zusätzliche €10,- Praxisgebühr löhnen müssen, und fühlen sich dabei nicht schlechter versorgt, als jene, die zuerst den Hausarzt aufsuchen. So eine Umfrage der Bertelsmannstiftung. Die Rate der Facharztbesuche ist meines Wissens jedenfalls nicht gesunken.

 

Schiff ahoi!

 

;-) 

 
 

Kommentar schreiben... (7 Kommentare)  vLine  0 Trackbacks  vLine  Permalink

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
10 Bewertungen  (Ø 5)    632 Aufrufe
 
 

#7 S.T.    04.12.2008 10:34

Es geht hier meines Erachtens nicht um eine Verallgemeinerung, sondern um bedauerliche Einzelfälle! Und solche schwarzen Schafe kennt jawohl jeder. Unter Hausärzten und Fachärzten.

#6 Anemone    28.11.2008 23:46

Haben Sie schon mal daran gedacht, daß es Patienten gibt, die sich besser bei einem Arzt aufgehoben fühlen, der sie über Jahre hinweg und in unterschiedlichsten Lebenssituationen (als Schulkind, die Oma in den letzten Lebensjahren zu Hause besucht, endlich die Depression bei der Ehefrau erkannt und behandelt, dem Sohn die Platzwunde am Kopf nach dem Fußballspiel genäht..) begleitet hat, als bei jemandem, wo sie nach mehreren Wochen Wartezeit endlich mal drankommen...Oder welche, die einfach nicht die Möglichkeit haben, mal eben so in die 70km entfernte Stadt zu kommen? Oder die auch gar nicht zu einem fremden Arzt wollen, obwohl es ihnen nahegelegt wurde. Natürlich ist es bedauerlich, daß es Kollegen gibt, die sich nicht besonders viel Mühe geben, sich fortzubilden, aber gibt es die nicht in jeder Fachrichtung? Und, mal ehrlich: Wieviel gute Rundum-Internisten kennen Sie ? Na...? Und der klassische Allgemeinmediziner deckt noch mehr Bereiche, als den internistischen ab ! Und wird dabei noch nicht mal reich. Außer an Erfahrung, aber das ist ja auch schon mal was;-)

#5 Raimund Hintzen    28.11.2008 19:01

ja, wenn's denn Termine hätte bei den Spezialisten! (Neurologisch: 4-5 Monate hier!!!) Urologisch: 3-4 Wochen, z.B. Nierenkolik. Da freut sich der Patient über seinen Lotsen, den er im Notfall immer konsultieren kann. Und bei den gültigen Honorierungen der Lotsen sollten die Spezialisten doch lieber andere Themen im Blog vertiefen.

#4 Nasser    22.11.2008 11:55

Eines darf man nicht vergessen: Sowohl Hausärzte als auch Fachärzte werden bei der Versorgung von Kassenpatienten schlecht honoriert. Mit den KV-Einnahmen kann man allenfalls seine Unkosten decken, aber keine Gewinne machen.

#3 Seebär    22.11.2008 11:46

Noch eine Ergänzung: Der Lotse kommt an Bord, wenn die Gewässer gefährlich werden, zum Beispiel bei der Einfahrt in den Hafen oder der Passage des Panamakanals, und verlässt das Schiff anschließend wieder.

#2 Cap. Hook    21.11.2008 10:06

Tja, jeder will halt beim Kapern des Budgets der Erste sein...

#1 Hochseelotse    21.11.2008 09:57

Nicht dass ein solches Verhalten Fachärzten völlig fremd sei, aber die Aufgabe eines Hausarztes ist natürlich, genau dieses zu vermeiden. Herrlich provokativer und ironischer Blog!

Dieses Feld bitte nicht ausfüllen:


Spambots sollen draußen bleiben!
CAPTCHA

    

632 Klicks

Trackbacks:

Keine Trackbacks
 

Footernavigation


© DocCheck Medical Services GmbH, Köln 2006

DC Flexicon

DC RSS Box

Neue Einträge in "Ich bin Klempner von Beruf..." per eMail.