ER und SIE in meiner Praxis

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Gedanken eines kritischen Paartherapeuten
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Gehören zur Beziehungspflege immer zwei?

David Wilchfort  vLine  20. November 2008 15:28   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 
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Die selbstverständliche Bejahung dieser Frage in einem Kommentar zu einem frühen Blog hat mich an nachfolgende Situation erinnert. Genau genommen an eine sich immer wieder wiederholende Situation.

 

ER: (wütend) Ich bin zwar heute da, aber was sie mir angetan hat … (ringt nach Worten, sinkt dann in sich zusammen und hat Tränen in den Augen) …na ja, ich weiß nicht, ob das noch mal was wird.

 

SIE: (leise) Ja, ich weiß, dass ich Dich sehr verletzt habe. (zugewandt) Aber ich bin doch zu Dir zurückgekommen!

 

Wenn ich daraufhin versuche herauszufinden, was beide in der Beziehung gefehlt oder gestört hat vor der belastenden Nebenbeziehung, kommt oft dieser Dialog.

 

SIE: Früher habe ich mir oft gewünscht dass Du …

 

ER: (empörend unterbrechend) Ich muss erst mein verletzt sein überwinden, bevor ich mir DEINE Wünsche überhaupt anhören kann!

 

Meine Reaktion darauf: Ja, die Wut kann ich verstehen. Ich kann auch verstehen, dass man überhaupt nicht einsieht, nach all dem, was einem zugefügt wurde, sich auch noch um den Partner zu bemühen. Leider geht es nicht anders.

 

Wenn ich vorsichtig dem Verletzten diese Notwendigkeit mitteile, begegnet er mir bestenfalls mit Verwunderung, schlimmstenfalls mit Empörung. Ich komme mir vor wie ein Orthopäde, der seinem Patienten die Notwendigkeit von physiotherapeutischen Übungen klar machen will und die Antwort des Verletzen so ausfällt: „Das sehe ich überhaupt nicht ein. Warum soll ICH ein Stunde früher aufstehen um die Übungen zu machen. Schließlich ist mir der andere Skifahrer so rücksichtslos rein gefahren, dass mein Knie verletzt wurde!“ Natürlich ist es unfair, wenn der Andere die Beziehung „kaputt gemacht“ hat, dass man am Wiederaufbau mithelfen soll. Aber in der Natur gilt nicht Fairness, sondern nur die Funktionalität. Eine Beziehung kann nur wachsen, wenn beide sich um sie bemühen.

 
 

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#3 Schwaeble    25.11.2008 09:54

Wieso untreue. Muß es sich bei Nebenbeziehung unbedingt um eine paralel Partnerschaft o.ä. handeln ? Wenn man ein partner hat, gibt es dann keine Beziehungen zun anderen mehr?

#2 christoph mathar    24.11.2008 09:47

vielleicht hilft hier auch die klärung, ob der patient denn wieder ein gesundes knie haben möchte. dabei könnte er aufgedordert werden, die für ihn wertvollen aspekte des intakten knies und die damit verbundenen erinnerungen und angenehmen seiten für ihn zu benennen. wird ihm dann bewusst, was er schätzt und das es sich dann doch lohnt "eine stunde früher aufzustehen und gymnastik zu treiben" fällt die entscheidung und damit verbundene einsicht und überwindung möglicherweise leichter. ein mögliche kognitive dissonanz sollte dennoch mit einkalkuliert werden :-)

#1 druschba    21.11.2008 15:41

"Belastende Nebenbeziehung" ist ein schöner Euphemismus für Untreue.

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