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The Hippocratic oath gone wrong...

Sebastian  vLine  11. September 2008 10:00   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 

Viele werden sich an folgende Situation erinnern: Während einer lässigen Anatomie-Vorlesung sagt der Prof plötzlich: "Und natürlich müssen wir hier nochmal auf die Embrylogie eingehen".  Ein Raunen geht durch den Hörsaal. Auch wenn der Prof noch so bemüht ist und mit Zeichnungen und manchmal auch mit Händen und Füßen versucht die Embryologie anschaulich zu machen. Sobald die Rede ist von Synzytiotrophoblast, Morula, Neuralleiste und Chorda dorsalis schalten die meisten ab. Ich gehörte ebenfalls zu denen, die abgeschaltet haben. Dabei wird dem geneigten Medizinstudenten doch nur versucht darzustellen, was "den Mensch im innersten zusammenhält", um es mal poetisch auszudrücken. Mir ist auch bis jetzt noch kein Lehrbuch untergekommen, das den Inhalt ansprechend und verständlich zusammenfasst.

 

Doch auch die Ältere Generation der Ärzte scheint nicht gerade fit in Sachen Embryologie, geschweige denn in ethischen Fragen. In Russland gibt es inzwischen mehr Abtreibungen als Geburten! In Deutschland sind die Zahlen, Gott sei dank, rückläufig. Doch in was für einer Gesellschaft leben wir, in der täglich Kinder abgetrieben werden (2007: 116871), aber im gleiche Atemzug über die Vergreisung der Gesellschaft moniert wird und was man dagegen tun kann (zu den Lösungen gehört dann auch die glorreiche Idee der Rente mit 67). In was für einer Gesellschaft leben wir, in der Ärzte (!!!) schwangeren Frauen raten, ihr behindertes Kind abzutreiben, um sich nicht dass Leben zu verbauen. Ein für mich wichtiges Zitat aus dem Studium: " Eine Gesellschaft muss sich Ihre Behinderten leisten können."

 

"Ich werde niemandem, nicht einmal auf ausdrückliches Verlangen, ein tödliches Medikament geben, und ich werde auch keinen entsprechenden Rat erteilen; ebenso werde ich keiner Frau ein Abtreibungsmittel aushändigen." (Hippokratischer Eid)

 

In was für einer Gesellschaft leben wir, in der ein Gespräch zur Schwangerschaftsberatung, um den "Schein" zu bekommen nur die negativen Seiten einer Elternschaft aufzeigt und fünf Minuten dauert. Natürlich ist nicht alles schwarz-weiß zu denken. Es gibt einfach zu wenig Aufklärung. Z.B. über das Post-Abortion-Syndrom, das mit Depressionen und Suizidalität verbunden ist. Frauen mit Problemen sollten auch Lösungen gezeigt werden. Und nicht immer ist Abtreibung die beste Lösung.

 

Um nochmal auf die Embryologie zurückzukommen. Ein besseres Verständnis der Embrylogie würde allen klar machen:

 

"Ein Mensch wird nicht Mensch sondern ist Mensch, in jeder Phase seiner Entwicklung, von der Befruchtung an."
(Prof. Dr. med. Erich Blechschmidt, bekannter Embryologe)

 

weiterführende Literatur:

Das Kind, das ich nie geboren habe: Was nach einer Abtreibung geschehen kann (Broschiert)

von Detlev Katzwinkel

 

 
 

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#7 Anemone    14.11.2008 03:11

Sebastian, Du sprichst mir aus dem Herzen. Aber, so einfach ist es echt nicht. Ich arbeite im Gegensatz zu Dir schon mit Patienten als Allgemeinmedizinerin zur Zeit in Zentralamerika. 2 Fallbeispiele: Nummer 1: Die Schwester einer Frau fragt mich, ob ich Abtreibungen mache. Ich frage, warum sie das wissen will. Ihre Schwester sei auf dem Nachhause-Weg vergewaltigt worden und nun zu allem Übel schwanger davon geworden. Sie ist Lehrerin und wird, wenn sie unehelich schwanger ist, ihren Stelle verlieren. (Schlechtes Vorbild für die Schüler.)Abgesehen davon, daß sie Ärger mit den Eltern bekommen wird, bei denen sie noch wohnt. Und vielleicht rausgeschmissen. Die Nachbarn werden schlecht über sie reden, wenn sie nicht jedem erzählt, wie es zu der Schwangerschaft kam, was sie sicher nicht will... Nummer 2: Wieder eine weibliche Angehörige fragt mich, ob ich Abtreibungen mache. Ihre Angehörige ist mit dem Freund ausgebüchst, um dann im Nachhinein den Segen der Eltern zu erbitten und zu heiraten. Hier durchaus üblich als " robo de la novia", Brautraub, wobei hier die Braut auch dafür war, um schnell und ohne viel Zeremonie (die auch teuer ist) den Freund, einen reisenden Verkaüfer, zu heiraten. Wurde, scheints, nach der ersten Nacht schwanger. Und dann stellte sich raus, daß der Freund schon verheiratet war, sie also gar nicht heiraten kann. Sie will das Kind nun nicht mehr. Er ist eh über alle Berge, hat ja gekriegt, was er wollte... Was hättest Du getan? Ich will damit sagen, einfach ist das Thema nicht. Ich bin davon überzeugt, daß die beiden Frauen tief in der Patsche stecken und man ihnen helfen muß. Und daß die entsprechenden Männer zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Allerdings ist Abtreibung keine Hilfe. Ein Fehler rechtfertigt nicht den nächsten. Sie werden mit Abtreibung nicht sorgenfreier dastehen, das ist eine Illusion. Sie haben 3 Optionen: Abtreibung, Kind austragen und behalten, Kind austragen und zur Adoption freigeben. Eine einfache Lösung gibt es nicht, Option 1 ist für mich obsolet. Weder die Frau noch ich dürfen uns anmaßen über Leben oder Tod zu richten. Das steht m.E. keinem Menschen zu. Ich habe Option 3 empfohlen, kostenlose Schwangerschaftsbetreuung angeboten und gesagt, daß ich einige Patienten habe, die sich vergebens ein Kind wünschen und ich diesen Kontakt vermitteln könnte. Die Option ist aber schwer für die Frauen, weil jeder irgendwann die Schwangerschaft sieht und sie dann so oder so ins Gerede kommen... Gehört habe ich von keiner mehr. Ein gutes Buch zu dem Thema " Der die Schuld vergibt" Francine Rivers

#6 Alessa    (Homepage)    09.11.2008 00:03

Ja, ich versteh deinen Standpunkt. Ich finde auch, dass die Abtreibungsthematik eine schwierige ist, mit der nicht flapsig umgegangen werden sollte. Und die Frage, ab wann ein Haufen Zellen als Mensch bezeichnet werden kann, ist auch nicht ganz einfach. Außerdem, was ist überhaupt ein guter Grund für ne Abreibung? Gibt es überhaupt welche? Und wenn, müsste man die nicht sowiese auf ner case-by-case Basis klären? Aber ich wollte mal Advocatus diaboli spielen und deinen rhetorischen Schachzug eines aus dem Kontext/Zeitgeschehen gerissenen Zitats vereiteln. Ist doch langweilig, wenn einem keiner Widerspricht.

#5 Alessa    (Homepage)    06.11.2008 15:35

Wie ich übrigens jüngst in der "Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin"-Vorlesung feststellen musste, wird in Deutschland der Hippokratische Eid seit geraumer Zeit gar nicht mehr geschworen. Sonst müssten wir uns nämlich auch verpflichten, unsere Professoren im Alter zu unterstützen und die "Medizinerkunst" nur an unsere Söhne und die unserer Professoren weiterzugeben. Geschweige denn dass keiner von uns Chirurg werden dürfte. Aber das nur am Rande. :-)

#4 Wolf    12.09.2008 23:28

...und von den Aborten mal abgesehen, bleibt das 'primum nil nocere' doch bereits auf der Strecke, wenn wir Patienten Medikamente verordnen, die mehr Nebenwirkungen als Wirkungen mit sich bringen. Aus Hippokrates' Sicht wäre das, was wir heute "(Schul)Medizin" nennen bestenfalls Bodyengineering. An die Stelle des Nachdenkens über Ätiopathogenese trat die symptomorientierte Leitlinienkultur. Und statt sich nen Kopf über die Krankheit ihrer Patienten zu machen, besucht so mancher Wochenendseminare über Patientenbindung... Ich könnte kotzen!

#3 Sebastian    11.09.2008 15:46

Vllt. kann es ja nochmal ein Zitat von Barbara Wussow auf den Punkt bringen: "[...] in unserer Gesellschaft Natur, Regenwald und Tiere geschützt werden, der Mensch aber tatenlos die Tötung ungeborener Kinder akzeptiert. Es ist in unserer Gesellschaft leichter, ein Kind im Mutterleib zu töten, als einen Baum zu fällen."

#2 Sebastian    11.09.2008 15:39

Ich will Abtreibungen ja per se nicht verteufeln. Natürlich gibt es auch Situationen in denen es nicht anders geht. Aber es müssen halt auch Alternativen aufgezeigt werden

#1 SkeptikEr    11.09.2008 14:16

Es ist immer leicht eine Moral hochzuhalten, wenn man von ihren Konsequenzen nicht betroffen ist.

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