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Biochemie und Hirntod

Sebastian  vLine  05. September 2008 16:27   Dieser Blog wurde von einer Privatperson erstellt und enthält persönliche Meinungen oder Erfahrungen.

 

Nach anfänglich großer Motivation zum Schreiben herrscht bei mir nun Flaute. Doch das kommt nicht von ungefähr. Der Semesteranfang rückt näher und es ist noch eine Biochemie Klausur zu schreiben. Deshalb habe ich angefangen dafür zu lernen.

 

Da es sicher einige gibt, die sich fragen, mit welchem Buch man am besten einsteigt, möchte ich hier eine Empfehlung ausgeben. Der Horn (Thieme-Verlag) hat mir den Einstieg in die Biochemie erleichtert und macht sogar Lust auf mehr. Es macht Spaß aus dem Horn zu lernen, man versteht die Zusammenhänge besser. Der Horn lässt sich fließend lesen und vermittelt die Biochemie auf eine einfache Art und Weise. Was jedoch am Horn auszusetzen ist, dass es hier und da Fehler gibt, die jedoch nicht so stark ins Gewicht fallen, als dass ich den Horn nicht weiterempfehlen würde. Wenn man etwas Blut geleckt hat und mehr wissen möchte, kann man in der wesentlich umfangreicheren, Bibel der Biochemie nachschlagen: im Löffler-Petrider (Springer-Verlag). Um nicht den Eindruck zu erwecken Werbung machen zu wollen, kann ich auch die Duale-Reihe Biochemie empfehlen. Sie ist nicht so ausführlich wie der Löffler-Petrides, jedoch auch nicht so "einfach" wie der Horn, sozusagen das Mittelding. Für weitere Recherchen empfehle ich Google zu bemühen.

 

Ich bin auf dem Online-Angebot der "Welt" auf folgenden Artikel gestoßen:

 

Vatikan zieht Hirntod-Definition in Zweifel

 

http://www.welt.de/wissenschaft/article2390357/Vatikan-zieht-Hirntod-Definition-in-Zweifel.html

 

Ebenfalls zur Lektüre: http://www.initiative-kao.de/Hirntod_Phase_im_Sterben.htm

 

Vor allem der zweite Link mit dem Artikel aus der FR ist sehr interessant und hat mich sehr zum Nachdenken gebracht und mein Interesse geweckt.

 

Ich bitte jedoch um eine konstruktive Diskussion und Vorschläge, nicht etwa nach dem Motto: "Was der Vatikan sagt, interessiert mich eh nicht."

 

 Update: Da ich mich nun etwas eingelesen habe,weiß ich nun nicht so recht, ob ich nun wirklich meine Organe spenden wollen würde. Bis dato hatte ich einen Organspendeausweis. Ich hatte mich vorher gar nicht mit dem Thema auseinandergesetzt, sondern nur gehört, Organspende ist super, hol dir nen Ausweis. Ich dachte immer Hirntot=tot.  Doch die Fakten sind: 

 

1. Der Hirntote hat Vitalzeichen

2. Er hat einen Stoffwechsel.

3. Er reagiert auf Schmerz (mit einem erhöhten Blutdruck).

4. Er macht spontane Bewegungen (vor der Transplantation werden sicherheitshalber Muskelrelaxantien gegeben).

5. Es können noch elektrische Restaktivitäten im EEG gemessen werden.

 


Wie steht Ihr dazu?

 
 

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#4 Stefan    19.08.2011 09:46

Kann man eigentlich auch vor der Organentnahme in Würde sterben? Wenn die steinzeitlichen Grundfunktionen wie Nahrungsaufnahme und urinieren nur noch mithilfe von Maschinen aufrechterhalten werden? Vielleicht sollte man mal eine Pflegekraft fragen, die jahrelang auf entsprechenden Stationen gearbeitet hat. Früher waren das meist Hospizschwestern, also Nonnen, die einen anderen Blickwinkel auf solche Dinge hatten als die meisten von uns. Vielleicht sollte man die mal fragen?

#3 Gio    28.05.2011 12:38

1. Der Hirntote hat Vitalzeichen Ja, weil die Herz-Lungen-Maschine den Kreislauf in Bewegung hält. Stellt man sie ab, folgt der Körper innerhalb kürzester Zeit dem Hirn Richtung Endstation. Der Körper selbst kann sich nicht am Leben erhalten, weil das Hirn de fakto ausgecheckt ist 2. Er hat einen Stoffwechsel. Siehe oben. Damit kein körpereigenes Gewebe abgebaut wird, wird natürlich auch Nahrung zugeführt, der Grundumsatz muss schließlich trotzdem gedeckt werden, denn alles benötigt Energie. 3. Er reagiert auf Schmerz (mit einem erhöhten Blutdruck). Das ist ebenfalls eine normale Reaktion des Körpers (! nicht des Hirns). Das hat nichts mit Schmerzempfinden zu tun (denn das würde vom Hirn verarbeitet werden, nur mit Schmerzwahrnehmung. Auch bei einem gelähmten Patienten, dessen Beine nichts mehr empfinden, kann z.B. über Blutdruck gemessen werden, wenn da einer drauf haut. Spüren tut der Patient trotzdme nichts. 4. Er macht spontane Bewegungen (vor der Transplantation werden sicherheitshalber Muskelrelaxantien gegeben). Das hat mit spontan nichts zu tun, sondern vielmehr mit Ursache und Wirkung. Beim Knöppeltest aufs Knie schnellt auch bei einem Lebenden unfreiwillig das Bein hoch, ohne das er das beeinflussen oder bewusst selbst auslösen könnte. Bei einem Hirntoten funktioniert das nicht ander, stimulierst du bestimmte Nerven, reagiert der Körper. (z.B. genannter Lazarus-Effekt - ein Spinalnerv wird stimuliert und die Leiche bewegt sich 'von selbst'). 5. Es können noch elektrische Restaktivitäten im EEG gemessen werden Okay, das müssen meiner Ansicht nach einfach die entsprechenden Neurologen entscheiden. Es gibt für so was ja extra Grenzwerte, ab wann jmd lebt und bis wann die Hirnakivität wahrscheinlich nur die Reaktion auf die Körperaktivität ist (durch das Hirn fließt ja das Blut und der 'Strom' des Körpers). Alles in allem, finde ich natürlich trotzdem, dass man immer im Einzelfall genau abwägen muss, ab wann der Patient jetzt hirntot ist. Aber wenn er hirntot ist, dann ist er für mich nur noch eine 'lebende' Leiche. Die Sache wird wohl immer eine Debatte bleiben (und das sollte sie auch, schließlich gehts hier nicht um Erdnüsse sondern den Tod). Die Organspende sollte man abgegrenzt dazu betrachten, finde ich. Denn hirntot heißt ja nicht automatisch Spender. Hirntot heißt auch, dass die Verwandten/Freunde eventuell entscheiden, noch zu warten, zu hoffen, dass der Patient wieder aufwacht. Das kann sich über Jahre hinziehen, um Organe gehts da überhaupt nicht. Ich selbst hab zumindest einen Organspendeausweis, weil ich es für das Richtige halte. Wenn ich tot bin, dann kann ich meinen Körper eh nicht mehr benutzen und da ich tot bin, ist mir in dem Moment die Tatsache wahrscheinlich (man will ja nicht alles ausschließen) auch egal. Insofern... da kann mein Körper wenigstens noch was Nützliches tun, Menschen das Leben retten. Ich versteh auch nicht, warum sich der Vatikan mit dem Leben retten so schwer tut... generell denk ich natürlich sowieso, dass man von einer Institution, die Kondome verbietet und AIDS = Völkermord damit quasi propagiert, keine medizinische, logische oder menschenwürdige Betrachtungsweise erwarten darf...

#2 mare    10.01.2009 16:18

Ich habe kurz nach meinem 2. Lebensjahr Diabetes bekommen. Ich war ein äußerst disziplinierter Patient. Ich hielt meine Diät und glaubte den Ärzten, dass mich dieses konsequent diabetische Leben vor dem Schlimmsten bewahren würde. Wie ich heute weiß, ein Trugschluss, denn es sind nicht diese Faktoren, die über den Verlauf eines Diabetes allein entscheiden. Ergo: Mit 40 versagten endlich meine Nieren, nachdem ich auf Grund einer diabetischen Retinopatie zuvor schon temporär mein Augenlicht verloren hatte, das ein begnadeter Augenarzt in 2 Jahren schmerzhaftester Lasersitzungen wieder so weit aufbaute, dass ich wenigstens 60 % mit Kontaktlinsen sehen konnte. Als das überstanden war, versagten meine Nieren, ich dialysierte 1 1/2 Jahre. Da durch den fast lebenslangen Diabetes meine Gefäße extrem geschädigt waren, ging ein Shunt noch auf dem OP wieder zu und ich dialysierte 1 1/2 Jahre über einen Herzvorhof-Katheter. Mir brachen an der Dialyse auf Grund eine renalen Osteopatie mehrfach Mittelfussknochen sowie ein Wirbel, 4 Monate konnte ich gar nicht mehr sitzen oder stehen, oft konnte ich später nur an Krücken laufen, ich verlor meine Haare, ich verlor fast 10 Zähne, da mein Unterkiefer porös wurde und erduldete in dieser Monaten täglich schmerzhafte Zahnarztsitzungen, um meine Zähne zu retten und lief mit einer Schiene im Unterkiefer herum. Ich konnte während und nach der Dialysesitzungen kaum noch stabilisiert werden, der Blutdurck ging hoch, 240 zu 100, Puls 100, ein Adalat, noch ein Adalt, nichts half, und mit 10 Insulininjektionen am Tag konnte mein Blutzucker noch nicht eingestellt werden. Zum Schluss hielt ich mit Müh und Not noch 2 1/ 2 Stunden tägliche Dialyse aus. Am 8. Mai 1998 bekam ich eine Niere und eine Bauchspeicheldrüse transplantiert. Seit dem habe ich nie mehr eine Insulininjektion benötigt, brauche keine Diät, habe gerade einen Blutzuckerbelastungstest mit Bravour bestanden, mein Blutzzucker liegt im Durchschnitt bei 90. Ich bin dialysefrei, obwohl ich nach einer schweren Sepsis vor 4 Jahren das Nierentransplantat fast verlor und in absehbarer Zeit noch einmal eine Niere benötigen werde, um zu überleben. 2 Jahre nach der Doppeltransplantation zogen auch die Augen nach, heute sehe ich wieder 100 % und kann sogar im Dunklen Autofahren. Ich nutzte meine neue Gesundheit, um noch einmal zu studieren, zu reisen und zu leben. Fazit - bitte Organspender werden!!!! - nach dem Hirntod, den auch meine Freunde und Angehörigen als Point od no return akzeptiert haben. "In Würde sterben" kann auch jemand, der durch seine Organspende einem anderen die Hölle auf Erden beendet. Ich bin kein Einzelfall. Während der vielen stationären Aufenthalte, die ich in einem großen Universitätsklinikum verbringen musste, habe ich viele Fälle wie meine erlebt, die alle unter die Haut gehen. Ich habe oft meinem unbekannten Spender von Herzen gedankt. Ich verdanke ihm ein neues Leben. Ohne ihn wäre ich qualvoll verendet - oder irgendwann vor einen Zug gesprungen.

#1 Alessa    (Homepage)    09.11.2008 00:23

Tja, da stellt sich wieder die Frage: wo sitzt das Bewusstsein des Menschen? Bzw, wenn man das mit in die Diskussion einbeziehen will, die "Seele"? Ist das noch da, wenn ein Hirntod festgestellt wird? Oder ist es zusammen mit der Großhirnaktivität verschwunden? Fakt ist, wenn ich das richtig verstanden habe ("point of no return"), dass Hirntote unwiederbringlich im Sterben begriffen sind. Soll heißen, sie werden nicht mehr lebendig, werden nicht mehr auferstehen. Egal ob man ihre Organe entnimmt oder nicht. Blutdruck, Schmerz usw. werden großteils im verlängerten Rückenmark und dem Thalamus verarbeitet, was beim Hirntod ja offensichtlich noch funktionsfähig sein kann. Bloß, kommt das noch irgendwo an, wird das verarbeitet, oder sind die Reaktionen auf Reflexe, ein Kurzschluss? Und nur um das mal noch mit in die Diskussion einzubringen: kann man nach einer Organentnahme noch in Würde sterben? Ich für meinen Teil bin kein Organspender...

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